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Schauspielerin Paula Beer:Gewissheiten geraten ins Wanken

In Ozons Film nähert sich Beer diesen Fragen als geschundene Seele: Anna und ihr französisches Gegenüber Adrien (Pierre Niney) sehnen sich jeweils nach der Leichtigkeit, die sie als Zeugen von Tod und Mord im ersten Weltkrieg verloren haben.

In einem solchen Kontext geraten ehern erscheinende Gewissheiten schnell ins Wanken. Etwa das Erziehungsideal, immer die Wahrheit zu sagen, das schon kleinen Kindern eingebläut wird, kann zur Herzlosigkeit verkommen. Anna etwa verschweigt die Wirklichkeit, allein um das Seelenheil der Eltern ihres gefallenen Verlobten Frantz zu schützen. Dabei könnte sie sich selbst entlasten, wenn sie ehrlich wäre. Adrien wiederum tischt Frantz' Eltern eine Lügengeschichte auf, um sich selbst von Schuldgefühlen zu entlasten - spendet ihnen damit aber Trost.

Doch nicht nur wegen ihres Interesses an solchen moralischen Zwickmühlen war Beer für die Rolle der Anna prädestiniert, sondern auch durch ihre Nähe zu Frankreich.

Paris, London, was kommt als nächstes?

Ozons Film wird beiden Seiten - der deutschen und der französischen - gleichermaßen gerecht, und auch hier gelingt Beer der Brückenschlag. Sie redet im Film erst deutsch, dann viel französisch - sie beherrscht die Sprache gut: "Als ich klein war, waren wir oft in Frankreich im Familienurlaub, deswegen habe ich schon lange eine Vertrautheit mit der Kultur, der Sprache und dem Essen. Mit 18 bin ich dann für ein Jahr nach Paris gegangen und war deswegen jetzt auch sprachlich für 'Frantz' bereit."

Wundert es da, dass sie im Nachbarland bereits als neue Romy Schneider ausgerufen wird - trotz der bekannten Borniertheit der Franzosen gegenüber Ausländern mit leichtestem Akzent? Im Film war Beer als Sophie Herzogin in Bayern immerhin schon die jüngere Schwester der Kaiserin Elisabeth, jener Figur, die von Romy Schneider immer bleiben wird. Vergleiche drängen sich da auf.

Aber auch in London fühlt sie sich nach mehreren längeren Aufenthalten inzwischen zu Hause. Derzeit filmt sie mit Sherry Hormann und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck. Die Welt steht ihr offen.

© SZ.de/jobr

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