Offener Brief Kulturschaffende fordern Seehofers Rücktritt

"Provozierend, rückwärtsgewandt und würdelos": So sehen prominente Kulturschaffende das Verhalten von Bundesinnenminister Seehofer.

(Foto: dpa)
  • Über 300 prominente Kulturschaffende kritisieren in einem offenen Brief das Verhalten Horst Seehofer als "provozierend, rückwärtsgewandt und würdelos".
  • Zu den Unterzeichnern gehören Günter Wallraff, Burghart Klaußner und Meret Becker.

In einem offenen Brief fordern zahlreiche Kulturschaffende den Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer. "Seehofer beschädigt die Werte unserer Verfassung", heißt es in dem Aufruf, zu dessen Initiatoren der Dramatiker Moritz Rinke gehört. Und weiter: "Sein Verhalten ist provozierend, rückwärtsgewandt und würdelos gegenüber den Menschen. So verstellt er den Weg in eine zukunftsfähige deutsche Gesellschaft." Seehofer einige das Land nicht, er spalte es.

"Wir sind entsetzt" heißt es in dem Schreiben mit dem Titel "Würde, Verantwortung, Demokratie". Auf der Liste der mehr als 300 Erstunterzeichner stehen viele prominente Namen. Darunter: Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, Schauspieler wie Peter Lohmeyer, Jochen Busse, Burghart Klaußner, Meret Becker und Hugo Egon Balder, die Musikerin Inga Humpe, Filmemacher wie Emily Atef, Andres Veiel und Dietrich Brüggemann sowie Autorinnen wie Judith Schalansky, Ronja von Rönne und Terezia Mora.

Die Kulturschaffenden kritisieren unter anderem, dass Seehofer die Migrationsfrage zur "Mutter aller politischen Probleme" erklärt habe und, so die Meinung der Unterzeichner, damit "18,6 Millionen Menschen, die mit migrantischen Wurzeln in Deutschland leben, in Geiselhaft nimmt und als eine Ursache dieser 'Probleme' hinstellt". Jan Böttcher, Autor und Mitinitiator des Aufrufs, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Es ist nicht einzusehen und auch nicht mehr hinzunehmen, dass Bundesinnenpolitik keinerlei Einsatz zeigt für die offene Gesellschaft, in der wir leben und leben wollen."

In ihrem Brief werfen die Unterzeichner Seehofer zudem vor, dass er die rassistischen und kriminellen Übergriffe bei der Chemnitzer Demonstration bagatellisiere. Außerdem trügen seine "enthemmten Bierzeltreden und unschlüssigen Pressekonferenzen" dazu bei, dass sich der Ton der politischen Auseinandersetzung in Deutschland verschärfe. Böttcher dazu: "Wir haben die Erklärung geschrieben, weil wir sehen, dass die solidarische Gesellschaft auf der Basis der Grundrechte unserer Verfassung gefährdet ist." Aus diesem Grund belassen es die Unterzeichner nicht bei ihrer Kritik, sondern stellen auch eine Forderung. "Seehofer sollte", heißt es am Ende des Schreibens, "noch vor der Landtagswahl in Bayern vom Amt des Bundesinnenministers zurücktreten." In Bayern wird am 14. Oktober gewählt.

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