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"Nymphomaniac"-Regisseur:Lars von Trier spricht über Alkoholmissbrauch

RNPS IMAGES OF THE YEAR 2011

Kurz vor dem Eklat: Lars von Trier zeigt seine tätowierten Fingerknöchel bei einer Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung von "Melancholia" in Cannes 2011.

(Foto: REUTERS)
  • Drei Jahre nach dem Nazi-Eklat in Cannes hat Lars von Trier erstmals wieder ein Interview gegeben.
  • Darin berichtet er von seinem massiven Alkoholkonsum. Und auch davon, dass die meisten seiner Filme im Rausch entstanden sind. Von Trier befürchtet nach eigenen Angaben, nie wieder künstlerisch tätig sein zu können.

Erstes Interview seit drei Jahren

Drei Jahre nach seinem selbst auferlegten Schweigegelübde, hat sich Lars von Trier wieder zu Wort gemeldet. In einem aufsehenerregenden Interview mit der dänischen Tageszeitung Politiken gestand der Regisseur, viele seiner Film-Manuskripte im Rausch entworfen zu haben. So habe er bis zu einer Flasche Wodka getrunken, um eine "Parallelwelt" betreten zu können, in der die Ideen für seine Filme entsanden seien. Nur bei der Arbeit an dem Film "Nymphomaniac" sei er nüchtern gewesen - und habe deshalb 18 Monate für den Film gebraucht. Als Vergleich zog er "Dogville" heran, der in nur 12 Tagen entstanden sei.

Drogenfrei der Familie zuliebe

Nun ist von Trier nach eigenen Angaben trocken und seit drei Monaten geht er täglich zu den Anonymen Alkoholikern - der Familie zuliebe. Seitdem sei er ein sehr viel angenehmerer Umgang, doch der Däne fürchtet, dass das nüchterne Leben seiner Kreativität schaden könne. "Ich weiß nicht, ob ich noch mehr Filme machen kann. Und das macht mir Sorgen."

Schweigegelübde

Im Herbst 2011 verkündete Lars von Trier bei einer Pressekonferenz während der Filmfestspiele in Cannes, er sympathisiere durchaus mit Hitler und bezeichnete sich nach wiederholten Nachfragen von Journalisten als Nazi. Danach war nicht nur seine Karriere fast vorbei, von Trier kündigte auch an, sich in Zukunft nicht mehr öffentlich zu äußern, und seine Kunst für sich sprechen zu lassen. Zwar hat er schon im September erstmals wieder ein Interview gegeben, doch in einem Video auf der Website von Politiken setzt er sich noch einmal in Szene. Darin zieht er sich symbolisch ein Klebeband vom Mund und sagt dann in dem Clip: "Ich will das Recht haben, wie alle anderen zu reden".

© SZ.de/dpa/chwa/fran

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