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Kolumne "Nichts Neues":Vidal vs. Capote

Truman Capote und Gore Vidal

Truman Capote (links) und Gore Vidal.

(Foto: dpa, imago)

Kulturgüter der Vergangenheit wiederentdeckt: Diesmal die Schönheit der Literatenfehde.

Von Johanna Adorján

Was wurde eigentlich aus der Literatenfehde? So schön es ist, wenn sich alle vertragen, so bedauerlich ist es gleichzeitig, um all die boshaften Bemerkungen gebracht zu sein, die Schriftsteller übereinander machen würden, würden sie sich nicht dauernd zügeln. Man weiß doch, wie empfindlich sie sind. Und wie ungerecht sie es finden - und völlig zu Recht! - wenn Kollegen mit viel schlechteren Werken als den eigenen größeren Erfolg haben.

Erinnern wir uns nur an Gore Vidal. Bzw: Erinnert sich eigentlich noch jemand an Gore Vidal? Wie oft hört man dagegen von Truman Capote, seinem Intimfeind, dessen Werk "In Cold Blood" jeder Reporter auf der ganzen Welt, der jemals ein Buch veröffentlicht, als Vorbild nennt. Noch berühmter ist natürlich sein "Frühstück bei Tiffany". Und wegen diverser Kurzgeschichten sprach irgendwann die gesamte New Yorker Upper East Side nicht mehr mit ihm, muss man ja auch erst mal schaffen. Aber zurück zu Vidal.

Vorgestellt hatte die beiden einander Anaïs Nin. Zunächst mochten sie sich, zwei homosexuelle Schriftsteller, zu einer Zeit, in der es noch etwas bedeutete, offen homosexuell zu sein. Doch schnell vergiftete Neid die schöne Stimmung, insbesondere die von Vidal. Bald nannte er Capote "eine republikanische Hausfrau aus Kansas mit allen Vorurteilen". Behauptete, sein erster Eindruck von ihm, er habe seine Brille nicht aufgehabt, sei der eines farbenfrohen Polsterhockers gewesen. "Als ich mich draufsetzte, quiekte es. Es war Truman."

Anstelle eines Prosastils würde Capote Saks-Fifth-Avenue-Schaufenster gestalten und dies dann Roman zu nennen. Capotes Tod 1984 nannte Vidal schließlich einen "klugen Karriere-Move". Es gab auch einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen den beiden, weil Capote in einem Interview gesagt hatte, Vidal sei mal von einer Party geflogen, weil er Kennedys Mutter beleidigt habe, woraufhin Vidal klagte. Das letzte Wort soll hier Capote bekommen, einfach nur, weil er's eh hat: "Ich schätze, Gore hat das Land verlassen, weil er sich hier unterschätzt fühlte", sagte er, nachdem Vidal nach Rom gezogen war. "Ich habe Neuigkeiten für ihn: Leute, die tatsächlich seine Bücher lesen, werden ihn überall unterschätzen."

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© SZ/hert
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