Hundekot-Attacke:Eine saubere Lösung

Hundekot-Attacke: Marco Goecke im Foyer seiner einstigen Wirkungsstätte, der Staatsoper Hannover.

Marco Goecke im Foyer seiner einstigen Wirkungsstätte, der Staatsoper Hannover.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Die Hundekot-Attacke gegen eine Kritikerin brachte ihn in sämtliche Schlagzeilen, nun wurde das Verfahren gegen den Choreografen Marco Goecke gegen Geldauflage eingestellt.

Von Egbert Tholl

Er hatte es ja schon bis ins Theater geschafft: Vor einigen Wochen kam am Theaterhaus Jena das Stück "Die Hundekot-Attacke" heraus, das eben selbige behandelte, respektive den Umgang damit. Welcher Choreograf wird schon Gegenstand eines Theaterstücks? Marco Goecke, 51, hat allerdings alles dafür getan und für das Theaterereignis des Jahres gesorgt. Im Februar dieses Jahres traf er, damals Chefchoreograf und Direktor des Staatsballetts Hannover, in der Pause einer Ballettpremiere auf die Kritikerin Wiebke Hüster, attackierte sie zunächst verbal, kam immer mehr in Rage, zog dann einen Beutel mit Hundekot hervor und applizierte dessen Inhalt im Gesicht der Kritikerin. In der Folge war Goecke seinen Leitungsposten in Hannover los, einige seiner Choreografien wurden zwischenzeitlich abgesetzt. Aber die, die weiterliefen, liefen wie Bolle.

Goecke ist ein extrem renommierter, vielfach ausgezeichneter Choreograf, darüber herrschte stets Einigkeit. Mittelfristig dürfte sein Ausraster seiner Karriere kaum geschadet haben, gleichzeitig bot er Anlass zu einer vielfältigen Diskussion über das Verhältnis zwischen Kritik und Theatermachern. Hüster war in ihren Rezensionen nicht gerade zimperlich mit Goeckes Arbeiten umgegangen, man durfte ihr in dieser Hinsicht durchaus eine Art Alleinstellungsmerkmal zugestehen.

Ein Verfahren wegen der Hundekot-Attacke war noch anhängig, dieses wurde nun gegen eine Geldauflage eingestellt. Das Beschmieren einer Journalistin mit Hundekot sei als tätliche Beleidigung gewertet worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover am Donnerstag. Goecke habe einen mittleren vierstelligen Betrag an einen gemeinnützigen Verein zahlen müssen, der sich mit Konfliktschlichtung beschäftige. Über die Einstellung des Verfahrens hatte zunächst die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet.

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