Eckhart Nickel: Hysteria

"Hysteria" beginnt mit einem Einkauf auf dem Bio-Wochenmarkt. Bergheim kauft eine Schale Himbeeren, doch "mit den Himbeeren stimmte etwas nicht." Das System dieses Romans heißt Wahn, heißt Paranoia, Überzeichnung und Verschwörungstheorie. Es ist das System Bergheim, dem ein so genauer wie nach konventionellen Maßstäben verschobener Wahrnehmungsapparat zugrunde liegt. Bergheim folgt der Spur der Bio-Himbeeren aus der Stadt hinaus und gerät schließlich in die labyrinthischen Gänge eines kulinarischen Instituts. Dort entdeckt er ein Gerät, das seinen Benutzer mithilfe elektronischer Impulse in einen tranceähnlichen Zustand versetzt und gedanklich in die Vergangenheit transportiert.

Die Welt, die Eckhart Nickel weniger beschreibt als viel mehr neu entwirft, befindet sich in einem Schwebezustand zwischen Archaik und unheilvoller Zukunftmani. Es stimmt nicht nur etwas mit den Himbeeren nicht; die ganze Welt scheint sich in einem Kippmoment zu befinden. Nickels Roman ist wie seine Sprache manieristisch, aber nicht manieriert. Er ist raffiniert anschlussfähig an die Literaturgeschichte und in seiner sprachlichen Eleganz so unanfechtbar wie beunruhigend durch die Erzeugung eines überspannten Grundgefühls von Bedrohung.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Christoph Schröder.

Bild: Piper 10. Oktober 2018, 17:282018-10-10 17:28:59 © SZ.de/jlag/khil/sks