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Kinobranche:"Wie es jetzt ist, geht es wirtschaftlich gar nicht"

Coronavirus - Kino

Die Hoffnung für einen Neustart der Kinobranche ruht jetzt auf dem Disney-Film "Mulan" und auf "Tenet" von Christopher Nolan.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

Die Kinos dürfen nun auch in Bayern wieder öffnen, aber es gibt keine neuen Filme - dafür umso mehr coronabedingte Auflagen und Probleme.

Von Nicolas Freund

Eigentlich passt es perfekt: In weiten Teilen Bayerns ist für die kommenden Tage Dauerregen angesagt, und seit Montag dürfen im Freistaat die Kinos wieder öffnen. Die meisten werden aber trotzdem noch bis mindestens Anfang Juli geschlossen bleiben. In anderen Bundesländern durften die Kinos nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen sogar schon im Mai wieder aufmachen, gefolgt sind der Erlaubnis aber auch dort nur wenige. Denn es gibt keine neuen Filme, die gezeigt werden könnten. Die Filmverleihe haben fast alle Starttermine in den Herbst oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Filmmarkt ist eine globalisierte Branche. Damit teure Produktionen eine Chance haben, ihre Kosten wieder einzuspielen, müssen sie in möglichst vielen Ländern starten. Lockerungen in deutschen Bundesländern haben deshalb wenig Einfluss, so lange in anderen Ländern noch das Virus wütet und die Zahlen der Corona-Infizierten nicht so beruhigend sind wie zur Zeit in Deutschland.

Die Hoffnung für einen Neustart der Kinobranche ruht jetzt auf der Realverfilmung des Disney-Films "Mulan" und auf "Tenet", dem neuen Thriller von Christopher Nolan. Die Studios setzen oft auf einzelne Filme, sogenannte Tentpoles, die ausreichend Geld in die Kassen bringen sollen, um dann andere Filme mitzufinanzieren. Der Starttermin und andere Faktoren müssen deshalb wohlkalkuliert sein. "Tenet" und "Mulan" sollen Ende Juli in die Kinos kommen, aber auch das ist nicht sicher. "Tenet" wurde gerade erst wieder zwei Wochen nach hinten verlegt. Daneben wagen bisher nur eine Handvoll kleinerer Filme den Start.

Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino, macht sich Sorgen, dass Starttermine wegen der hohen Infektionszahlen in den USA und der anhaltenden Proteste noch weiter verschoben werden könnten: "Die Kinos brauchen auch diese großen, umsatzträchtigen Filme, sonst werden sie wieder schließen", sagt er auf Nachfrage der SZ am Telefon. Und selbst, wenn manche Verleihe die Chance nutzen und Anfang Juli doch ihre Filme in den leeren Kinoprogrammen platzieren, bringt das vielleicht einzelnen Filmen etwas. Die Branche wird es aber noch nicht retten. Ein weiteres Problem sind nämlich die strengen Auflagen zur Eindämmung der Infektionen. "Wie es jetzt ist, geht es wirtschaftlich gar nicht", sagt Bräuer. "Die Auflagen sind so hoch, dass wir vor allem bei kleinen Kinos von sehr geringen Besucherzahlen und Einnahmen sprechen."

Es stellt sich weiterhin die Frage, warum Züge und Flugzeuge voll besetzt werden dürfen, Kinos und Theater aber nicht. Dabei ließen sich gerade im Kino Sicherheitsvorkehrungen auch ohne eineinhalb Meter Abstand gut umsetzen, meint Bräuer: "Kinos sind gut zu reinigen. Man sitzt im Saal außerdem still, schaut nach vorne, spricht nicht und läuft nicht herum. Man kann auch im Foyer die Auflagen erfüllen und Kontakte gut nachvollziehen. Ein kleines Restrisiko bleibt natürlich immer." Die Öffnungen bedeuten für die Kinos noch lange nicht die Rettung.

Selbst das schlechte Wetter wird jetzt zum Problem für die Branche. Denn auch die schon länger geöffneten Open-Air-Kinos werden in den nächsten Tagen kaum Besucher anlocken.

© SZ vom 16.06.2020/khil

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