25 Jahre "Schindlers Liste" Mit zitternder Kamera gefilmt

Ein Monument des Kinos: Oskar Schindler, gespielt von Liam Neeson, geht mit seinem jüdischen Buchhalter Itzhak Stern (Ben Kingsley) die Liste durch.

(Foto: dpa)
  • Zum Holocaust-Gedenktag kommt Steven Spielbergs Film wieder in die deutschen Kinos.
  • "Schindlers Liste" erzählt die wahre Geschichte des Geschäftsmanns Oskar Schindler, der im Holocaust mehr als tausend jüdischen Menschen das Leben rettete.
  • Als Hollywood-Produkt wirft der Film die Frage auf: Wie sehr darf sich das Kino der Geschichte der Vernichtung der europäischen Juden bedienen, um seine Fiktionen zu füttern?
Von Philipp Stadelmaier

Oskar Schindler sitzt zu Pferd auf einer Anhöhe und beobachtet die Liquidierung des Krakauer Ghettos. Überall sind Schreie zu hören und das Bellen der deutschen Soldaten, Maschinengewehrsalven knattern, Menschen werden erschossen. Schindler wirkt schockiert, aber noch weiß man nicht, warum. Der deutschstämmige Geschäftsmann, gespielt von Liam Neeson, lässt in seiner Emaillewaren-Fabrik jüdische Arbeiterinnen und Arbeiter für sich schuften. Die kosten ihn am wenigsten. Ist er entsetzt, weil seine Belegschaft ermordet oder in Lager verfrachtet wird? Oder weil er gerade ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlebt?

Man könnte auch meinen, er sei zunächst einfach nur Beobachter. Genauso wie Steven Spielberg, der Regisseur von "Schindlers Liste", der diese Szene beinahe verschreckt filmt, wie aus der Perspektive von einem, der zufällig vorbeikommt und dessen Auge unvorbereitet auf das Grauen fällt. Dieser Film kommt nun, zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, wieder in die deutschen Kinos.

Mit den Händen ist zu greifen, wie beklemmend die Dreharbeiten waren

Manchmal hat Spielberg nach eigenem Bekunden - wie ein Großteil des Teams - kaum hinschauen können, als er den Film drehte. Das sieht man den Bildern an. Die Szene im Zwangsarbeiterlager Plaszow, in dem der SS-Schlächter Amon Göth regiert, gespielt von Ralph Fiennes, ist ein solcher Moment. Eine Selektion im Lager: Nackte Menschen werden über den Lagerplatz gejagt, vorbei an SS-"Ärzten", die zwischen "arbeitstauglichen" und solchen unterscheiden, die direkt nach Auschwitz deportiert werden. Die Kamera scheint selbst in Panik zu geraten, als wüsste sie kaum, wohin mit sich. Was filmen und wie? Mit den Händen ist zu greifen, wie beklemmend die Arbeit für Spielberg gewesen sein muss.

An dieser Stelle im Film hat Schindler begonnen, im großen Stil Offiziere und Beamte zu bestechen und mit Hilfe seines jüdischen, ebenfalls internierten Buchhalters Itzhak Stern (Ben Kingsley) Juden zu helfen. Angeblich weil sie in seiner Krakauer Fabrik "kriegswichtige" Arbeit leisten - so präsentiert sich Schindler der SS als opportunistischer Kriegsgewinnler. In Wahrheit, weil er sie retten will.

Eine dritte zentrale Szene des Films spielt schließlich in Auschwitz. Eine Gruppe von Frauen, die Schindler von Göth freigekauft hat, ist "versehentlich" nun doch hier gelandet. Sie werden geschoren, müssen sich nackt ausziehen und werden in die Duschen geschickt, hinter ihnen schließt sich die Tür. Sie denken, dass nun das Gas kommt. Aber aus den Düsen schießt Wasser. Erleichterung. Später erscheint Schindler und rettet die Frauen, ermöglicht ihre Rückfahrt in seine Fabrik nach Krakau. Michael Haneke hat Spielberg später ein in dieser Szene unangemessenes Spiel mit dem Suspense vorgeworfen.

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Welche Filme sich lohnen und welche nicht

"Schindlers Liste", dieser mehr als dreistündige, in Schwarz-Weiß gedrehte Historienfilm über die wahre Geschichte des Oskar Schindler, der im Holocaust mehr als tausend jüdischen Menschen das Leben rettete, ist ein Monument des Kinos der Neunzigerjahre und wurde mit sieben Oscars prämiert.

Kaum zu glauben, dass Spielberg den Film unmittelbar nach dem Dinosaurierspektakel "Jurassic Park" drehte. Spielberg, selbst Jude, hat in "Schindlers Liste" ein Stück seiner eigenen Geschichte verarbeitet. Der Film war ihm schon Jahre zuvor angeboten worden. Zwischenzeitlich war Billy Wilder interessiert, dessen Familie im Holocaust ermordet wurde.