"Der Grinch" im Kino Der grüne Weihnachtshasser

Dieser grüne Stinkstiefel will mal wieder Weihnachten stehlen - mit der Stimme von Benedict Cumberbatch, oder - auf Deutsch - Otto Waalkes.

(Foto: Universal)
  • Der "Grinch" gehört in Amerika zur Weihnachtszeit wie die Socken am Kamin oder das Rentier auf dem Dach.
  • International bekannt wurde der kermitgrüne Griesgram durch Ron Howards Realverfilmung aus dem Jahr 2000.
  • Nun hat Illumination Entertainment einen Animationsfilm aus dem Kinderbuch von Dr. Seuss gemacht.
Von Josef Grübl

Wie eine Zombieherde verfolgen sie ihn, die fidelen Weihnachtssänger mit ihren ewig gleichen frohen Weisen. Und egal, wohin er sich bewegt: Sie sind schon da, sie werden auch immer mehr, am Ende singt halb Whoville mit. Da wird der Grinch grantig, selbst sechzig Jahre nach seinem ersten Auftritt in einem Kinderbuch des amerikanischen Autors Dr. Seuss.

Der grüne Weihnachtshasser, der mit seinem Hund Max in einer Höhle lebt und den Bürgern von Whoville das schönste aller Feste stehlen will, gehört in Amerika zur Weihnachtszeit wie die Socken am Kamin oder das Rentier auf dem Dach. Die Geschichte ist schlicht, es gibt einen Hauch von Kapitalismuskritik, auf die große Bescherung am Schluss muss aber trotzdem niemand verzichten. Also genau das richtige für die Feiertage.

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Jennifer Garner startet in "Peppermint" einen Vergeltungstrip wie einst Liam Neeson in "96 Hours". Und Weihnachtshasser "Der Grinch" kehrt als Animationsfigur zurück.

1966 wurde sie erstmals verfilmt, Boris Karloff sprach den Grinch, die halbstündige Zeichentrickproduktion läuft seitdem alle Jahre wieder im US-Fernsehen - ähnlich wie hierzulande "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". International bekannt wurde der kermitgrüne Griesgram durch Ron Howards Realverfilmung aus dem Jahr 2000, darin zappelte Jim Carrey hinter einer dicken Fell- und Latexmaske durch ein bonbonbuntes Winterwunderland. Süß und farbenfroh geht es auch in der jüngsten Neuverfilmung des altbekannten Stoffs zu, der Unterschied liegt indes woanders: "Der Grinch" aus dem Jahr 2018 ist ein Animationsfilm von Illumination Entertainment, der Firma, die bereits 2012 mit der Geschichte des schnauzbärtigen Ökowichtels "Der Lorax" ein Kinderbuch von Dr. Seuss verfilmte. Ihr größter Hit sind aber die "Minions": Die kleinen gelben Spaßanarchisten kapern mittlerweile auch die Filme der anderen, so wird der neue Grinch mit einem Minions-Vorfilm beworben. Auch inhaltlich hinterlassen sie Spuren: Illumination-Produktionen sehen aus wie verfilmte Wimmelbilder, sie setzen auf Tempo, Gags und ein bisschen Boshaftigkeit.

Wieso aber wird ein erfolgreicher Kinofilm wie "Der Grinch" nach nicht einmal zwei Jahrzehnten überhaupt neu aufgelegt? Wenn man sich die Startlisten der Studios ansieht, ist das keine Überraschung: Hollywood baut mehr denn je auf etablierte Marken, die dem Publikum besser und schneller zu vermitteln sind als neue Geschichten. Hinzu kommen die neuen Zuschauergruppen in Asien oder Südamerika, die immer wichtiger werden - denen sind die Originale mitunter nicht bekannt, und ein Remake kann auf andere Sehgewohnheiten eingehen. Abgesehen davon ist heute technisch viel mehr machbar.

Während der Disneykonzern sogenannte "Live Action"-Remakes seiner Trickfilmklassiker produziert, also real anmutende Computerversionen von "Die Schöne und das Biest", "Cinderella" oder "Der König der Löwen", setzen andere Studios genau auf das Gegenteil: Neben dem neuen "Grinch" entstanden zuletzt einige Animationsfilme, deren Geschichten zuvor als Realfilme erzählt wurden. Sony bringt noch vor Weihnachten eine animierte Comic-Fassung des "Spider-Man" in die Kinos, Warner erweiterte 2017 mit "The Lego Batman Movie" die Zielgruppe für ihr wertvolles "Batman"-Universum. Die Strategie dahinter ist klar: Eine nachwachsende Generation von Kinogängern soll an bekannte Filmmarken herangeführt werden, deren Realverfilmungen so düster daherkommen, dass sie die Kleinen noch gar nicht sehen dürfen. Auch bei "Mogli: Legende des Dschungels", das sich auf Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" bezieht (demnächst bei Netflix), der vor Kurzem in den Kinos angelaufenen Jack-London-Adaption "Die Abenteuer von Wolfsblut", oder der für Herbst 2019 angekündigten neuen "Addams Family" geht es um Diversifizierung. Hier aber wurden die Buch- oder Cartoonvorlagen schon so oft verfilmt, als Real- oder Zeichentrickfilme, als Fernsehmehrteiler, Animeserien - da erscheint die Computeranimation als einzige Möglichkeit, den altbekannten Stoffen einen halbwegs frischen Anstrich zu geben. Und wer weiß? Mit der Weiterentwicklung der Technik wächst auch die Zahl der Adaptionsmöglichkeiten: Vielleicht wird es den nächstes "Grinch" schon als interaktives Mitmachabenteuer auf 360-Grad-Leinwänden geben. Dann wären es allerdings die Zuschauer, die ihn wie Zombies verfolgen.

Dr. Seuss' How The Grinch Stole Christmas, USA/CHN/JAP/F 2018 - Regie: Yarrow Cheney, Scott Mosier. Mit den Stimmen von: Benedict Cumberbatch (im englischen Original), Otto Waalkes (deutsche Fassung), Universal, 82 Min.

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