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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

Mit "Outlaw King" schickt Netflix seine Zuschauer in die Highlands. "Nur ein kleiner Gefallen" mixt französische Krimitradition und amerikanische Reihenhauserotik.

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#Female Pleasure

#Female Pleasure

Quelle: Copyright X Verleih AG

Zu Barbara Millers Doku wünscht man sich ein Pendant, das rückhaltlos und ungefiltert, nun ja, weibliche Lust zeigt. Denn Miller erzählt vom Widerstand gegen das düstere, oft religiös begründete Patriarchat. Fünf Frauen, unter ihnen die Autorin Deborah Feldman, sprechen von ihrer Emanzipation und analysieren patriarchalische Machtstrukturen. Dazu sieht man sie im Arbeits- und Privatleben. Vor allem der Einstieg ist zäh. Dass man dennoch dabeibleibt, ist dem klaren Verstand, der Unbeugsamkeit und auch dem Witz der Protagonistinnen zu verdanken. Wer würde nicht gern wie die japanische Künstlerin Rokudenashiko mit einem Vulvaboot in See stechen?

Juliane Liebert

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Aufbruch zum Mond

RYAN GOSLING as Neil Armstrong in First Man 2018 Universal Los Angeles CA PUBLICATIONxINxGERxSUIx

Quelle: imago

Wer hier einen hurrapatriotischen Film zur Mondlandung erwartet, bei dem alle Beteiligten innerlich strammstehen, liegt daneben. Damien Chazelle zeigt das Schicksal, der erste Mann auf dem Mond zu sein, als beinah unfassbare Bürde, die von Neil Armstrong würdevoll und wortkarg getragen wird. Ryan Gosling spielt ihn als sympathischen Autisten, Claire Foy ist die Ehefrau, die fast nicht mehr an ihn herankommt. Alles extrem realistisch und präzise - aber die Zeiten, in denen die USA im Kino Zukunftshoffnung und Can-do-Spirit feierten, sind wohl endgültig vorbei.

Eine ausführliche Besprechung des Films finden Sie hier.

Tobias Kniebe

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Back to the Fatherland

Back to the Fatherland

Quelle: Copyright 2017-2018 GREENKAT PRODUCTIONS

Die österreichische Filmemacherin Kat Rohrer spürt mit ihrer israelischen Kollegin Gil Levanon dem zwiespältigen Gefühl nach, das Holocaustüberlebende in Israel verspüren, wenn ihre Enkel zurück nach Deutschland oder Österreich ziehen. Die eindringlich inszenierte Doku ist Beziehungsarbeit an einer gemeinsamen Gegenwart, in die sich die Traumata Vergangenheit eingeschrieben haben.

Anna Steinbauer

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Elliot, das kleinste Rentier

Elliot, das kleinste Rentier

Quelle: Copyright 2017 Littlest Reindeer Productions Inc.

Einmal die Kutsche des Weihnachtsmanns ziehen, davon träumt Miniaturpferd Elliot. Als eines der Rentiere kurz vor Weihnachten in Rente geht, bewirbt es sich mit falschem Geweih für den Job. Neben Weihnachten ist auch noch Elliots Farm in Gefahr. So geht es in Jennifer Westcotts Animationsfilm ziemlich drunter und drüber. Immerhin kann man auf Santas Herz für Außenseiter zählen.

Ana Maria Michel

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Here to be Heard

Here to be heard

Quelle: Copyright Filmokratie

Es ist folgerichtig, aber auch frustrierend, dass William E. Badgley sich für seine Doku über die Punk-Vordenkerinnen an der DIY-Ästhetik des Genres abarbeitet. Sein Film erzählt als wenig originelle Collage aus Interviews und Archivmaterial von The Slits - vier Londonerinnen, die das Konzept "Girlband" in den Siebzigern radikal neu dachten. Deren Geschichte ist aufregender als der Film - und so wichtig und beflügelnd wie vor 40 Jahren.

Annett Scheffel

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In My Room

Kinostart - 'In my room'

Quelle: dpa

Ein in jeder Hinsicht fantastischer Film. Das Leben von Armin, dem typischen Mittdreißiger-Hänger in Berlin, ist scheiße. Dann verschwinden alle anderen Menschen. Ulrich Köhlers Film hat alles, was ein glückliches Leben braucht: Überraschung, Melancholie, die Euphorie, neu anfangen zu können, und eine Bürgerlichkeit, die die Apokalypse überlebt.

Philipp Stadelmaier

7 / 14

Leto

-

Quelle: Weltkino

Ein beschwingter Film über die späte Sowjetunion, das ist - falls nicht staatlich beauftragt - radikal. Kirill Serebrennikow drehte "Leto", im Sommer 2017 in Sankt Petersburg, als er festgenommen wurde. Gerade läuft in Russland sein Prozess wegen angeblicher Veruntreuung von Fördergeldern. Und man muss sagen: Diese Umstände sieht man dem Film nicht an. Er zeigt den Aufstieg des kultisch verehrten Sängers Viktor Zoi und seiner Band Kino als Dreiecksgeschichte, zwei Sänger, eine Frau, und die Frage nach dem besten Sound. "Leto" zeigt eine helle, heitere, erstaunlich intakte Sowjetunion. Sie hat sich trotzdem nicht halten können.

Sonja Zekri

8 / 14

Der marktgerechte Patient

Der marktgerechte Patient

Quelle: Copyright Salzgeber & Co. Medien GmbH

Geburten sind nicht lukrativ, Organspenden bringen keinen Profit. Leslie Franke und Herdolor Lorenz kritisieren den wirtschaftlichen Druck, unter dem Krankenhäuser stehen. Sie dokumentieren erschreckende Zustände. Beim Personal wird gespart, die Leidtragenden sind die Patienten. Die Gegenseite spricht kaum vor der Kamera, ihre Argumente sind ökonomische. Auf die Frage, ob man die Gesundheit dem Markt überlassen sollte, findet der Film eine eindeutige Antwort: Nein.

Jesper Klein

9 / 14

Nur ein kleiner Gefallen

Kinostart - 'Nur ein kleiner Gefallen'

Quelle: dpa

Komödienspezialist Paul Feig ("Bridesmaids") probiert sich an seinem ersten Thriller. Die schüchterne Hausfrau Stephanie (Anna Kendrick) freundet sich mit dem Vorstadt-Vamp Emily (Blake Lively) an. Als diese verschwindet, macht Stephanie sich auf die Suche nach ihr und deckt düstere Geheimnisse auf. Ein Mix aus französischer Krimitradition und amerikanischer Reihenhauserotik.

David Steinitz

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Outlaw King

Outlaw King

Quelle: David Eustace; Copyright David Eustace / Netflix

Die Schotten sind ein sympathisches Volk, und warum sollten sie dank all der Netflix-Millionen nicht auch mal "Game of Thrones" mit der eigenen Geschichte spielen? Die Story von Robert the Bruce (Chris Pine), der die Engländer im 14. Jahrhundert für 400 Jahre aus dem Land warf, hat genug Blut, Verrat und Intrigen, und David Mackenzie schwelgt in Highlands-Panoramen wie in schlammigen Schlachtengemälden. Einzig Chris Pines schreckliche Vokuhila-Frisur weist auf eine unangenehme Wahrheit hin: Ami-Stars haben hier eigentlich nichts verloren (ab 9.11. auf Netflix).

Tobias Kniebe

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A Prayer Before Dawn

A Prayer Before Dawn

Quelle: Copyright Wild Bunch Distribution

Ein junger Brite ist nach Thailand gekommen, zum Boxen. Er verfällt den Drogen, kommt in den Knast und landet bei den ganz harten Jungs. Regisseur Jean-Stéphane Sauvaire erzählt den Gefängnisalltag dokumentarisch nüchtern, die Enge, die Brutalität, die Machtstrukturen. Die Kamera ist nah an den Gefangenen, deren Tattoos machen die Bilder bunt und düster. Am Ende wird wieder geboxt, Kampfsport ist immer auch Überlebenschance.

Doris Kuhn

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Rememory

Kinostart - 'Rememory'

Quelle: dpa

Wie wäre es, wenn Menschen in ihre eigenen Erinnerungen zurückreisen könnten? Sam (Peter Dinklage), der seinen Bruder bei einem Autounfall verloren hat, lernt einen Wissenschaftler kennen, der eine Maschine erfunden hat, die einen Dinge noch einmal erleben lässt. Doch bald ist der Wissenschaftler tot, und seine Witwe (Julia Ormond) und Sam wollen wissen, warum. In Mark Palanskys nachdenklichem Science-Fiction-Film geht es um Lüge und Schuld. Für Freunde von spektakulären Bildern und Special Effects ist er eher nichts.

Susan Vahabzadeh

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Talking Money

Talking Money déjà-vu film

Quelle: déjà-vu film

Sebastian Winkels filmt in seiner Doku Gespräche zwischen Kunden und Bankberatern. In Chicago, Pakistan, Italien, Georgien, Bolivien, Benin, Potsdam und Zürich. Es geht um Geldanlagen, Kredite, Schulden. Aber die Szenen gehen lokal zu wenig in die Tiefe, um wirklich neues über die Welt zu erfahren.

Philipp Stadelmaier

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Whatever Happens Next

Whatever Happens Next

Quelle: Copyright The StoryBay

Eines Tages ist Paul einfach weg. Raus aus Alltag und Ehe. Fortan treibt er als Taugenichts durchs Land. Auf der Berlinale war Julian Pörksens seltsam lakonische Aussteigergeschichte in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" einer von mehreren Filmen über Lebensum- und -aufbrüche. Sein Szenario glänzt mit einem feinen Sinn für Humor.

Annett Scheffel

© SZ.de/jmau

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