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"Ocean's 8" im Kino:Rihanna spielt eine Hackerin, weil PC-Profis in Hollywood jung und schwarz sein müssen

Spätestens hier kommt man um die Feststellung nicht herum, dass Steven Soderbergh bei diesem Film nur der Produzent ist. Regie führt sein Kumpel Gary Ross, der schön von der Verklemmtheit der Fünfzigerjahre erzählen konnte ("Pleasantville") und auch das Revolutionspathos der "Hunger Games" noch angemessen hinbekam. Zu den wirklich coolen Großkatzen Hollywoods aber gehört er nicht, das ist schmerzlich zu spüren. Vielleicht hätte man auch hier dem All-Female-Prinzip vertrauen sollen.

Die Frauen, die Ross jetzt ins Team kommen lässt, bleiben jedenfalls blass. Die indischstämmige Goldschmiedin (Mindy Kaling) hat eine nervige Mutter - aber welche junge Inderin im Kino hätte das nicht? Die Hehlerin (Sarah Paulson) führt ein Doppelleben als Vorstadt-Mom, die Modeschöpferin (Helena Bonham-Carter) hat hohe Steuerschulden, die Trickdiebin (Awkwafina) lässt Uhren von Handgelenken verschwinden, sagt aber wenig. Die Hackerin schließlich (Rihanna) ist jung, sexy und schwarz, weitere Eigenschaften hat sie nicht.

Wer sich wirklich gut mit Computern auskennt, muss im Mainstreamkino 2018 übrigens jung und schwarz sein. Siehe aktuell auch "Black Panther" oder "Jurassic World". Das ziehen wir jetzt durch, haben sie in Hollywood offenbar beschlossen, in traditioneller Bescheidenheit, bis massenhaft Afroamerikaner zu programmieren beginnen und das nächste Facebook gründen. Dann haben wir die Welt wieder ein Stück besser gemacht.

"Ocean's Eight" dagegen ist nicht wirklich zu retten, aber immerhin beginnt jetzt der Diamantenplot, dessen Komplexität alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da bleibt gar keine Zeit, nach den Figuren zu fragen.

Natürlich beruhen "Heist Movies" immer auf absurd komplexen, herrlich unrealistischen Diebstahl-Szenarien. Aber Gary Ross strapaziert diese Idee bis ins Extrem. Im Kern geht es darum, ein 150-Millionen-Dollar-Diamantencollier erst aus einem Tresor bei Cartier hervorzulocken, dann am Hals einer Schauspielerin bei der Met-Gala in New York zu platzieren und dort gegen eine perfekte Kopie auszutauschen. Sandra Bullock geht es außerdem noch um die Rache an ihrem Exfreund, und ein paar Überraschungen gibt es auch.

Der Geist des Sauberfrauentums weht nicht durch dieses Werk

Nur, warum wirkt das alles so furchtbar zahm? Vielleicht aus demselben Grund, aus dem Matt Damon, der einen Kurzauftritt hatte, aus dem fertigen Film herausgeschnitten wurde. Er passte nicht mehr in die Dramaturgie, sagt Gary Ross. Vielleicht sind die Filmemacher aber auch eingeknickt vor den Unterzeichnern einer Petition von Matt-Damon-Hassern, die ihn wegen ungeschickter Äußerungen zur "Me Too"-Debatte (wohlgemerkt: nicht wegen irgendwelcher Übergriffe) aus dem Film verbannt sehen wollten.

Egal, man weiß es nicht. Der Geist des Sauberfrauentums, in dem solche Petitionen gedeihen, weht auf jeden Fall auch durch dieses seltsame, zaghafte Werk. Frauen aber, die nur bloß nichts falsch machen wollen - hatten wir das nicht schon viel zu lang? Darin liegt jedenfalls nicht die Zukunft.

Ocean's 8, USA 2018 - Regie: Gary Ross. Buch: Ross, Olivia Milch. Mit Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway. Warner, 111 Minuten.

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