Kinderbuch:Ohrenschmalz aus Silikon

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(Foto: ars edition)

Ein Robotermädchen soll sich als Mensch beweisen und wird darum in eine Schulklasse gebracht, wo es lernt, Menschsein ist nicht einfach.

Von Verena Hoenig

Ein Knopfdruck und Dotty erwacht zum Leben. Nach achtzehn Monaten im Labor findet das Robotermädchen sich in der "echten Welt" als Sechstklässlerin wieder. Zu Dottys Ausstattung gehören ein Hochgeschwindigkeits-Datensystem, diverse Sensoren und superscharfe Augen, alles in Betrieb gehalten von einem Akku. Die Technik verbirgt sich unter einer menschlich aussehenden Hülle. Niemand darf Verdacht schöpfen, dass Dotty ein Android ist. Ihre Nägel wachsen, sie hat einen künstlichen Herzschlag und produziert sogar Ohrenschmalz und Popel - wenn auch aus Silikon. "Meine künstliche Intelligenz (KI) ist so designt, dass sie sich immer weiterentwickeln und verbessern soll. Bis ich von einem echten Menschen nicht mehr zu unterscheiden bin." Das ist das Ziel, das sie unbedingt erreichen muss.

Ein Jahr hat Dotty Zeit. Schafft sie es, nicht aufzufliegen, würde sie weltberühmt und ihre Programmierer reich dazu. Fünf Roboter weltweit sind im Rennen um ein enormes Preisgeld. Gefährlich wird ihr noch ihr misstrauischer Mitschüler Martin. Das Robotermädchen setzt seinen ganzen Ehrgeiz daran, möglichst viele "Freundschaftspunkte" zu sammeln. Weil ihre sozialen Fähigkeiten bisher jedoch nur den Labortest bestanden haben, wirkt Dottys Verhalten oft seltsam auf die Umgebung: Sie nimmt alles wörtlich, ist altklug oder redet gestelzt daher. Mensch zu werden, scheint wirklich nicht einfach zu sein, so unlogisch, rätselhaft und widersprüchlich wie diese Spezies sich benimmt.

Für viel Situationskomik und auch Rührung sorgt die Familie von Dottys Professoren-"Papa", bei der sie wohnt

Als Dotty im Safaripark fünfundzwanzig Kinder vor einem entflohenen Bären rettet und dabei Totalschaden erleidet, soll sie ausgetauscht werden - die geheime Super-Bot-Mission muss schließlich weitergehen. Aber Dotty setzt buchstäblich alle Hebel in Bewegung, um ihr künftiges Dasein nicht als künstliche Reserve im Schrank zu verbringen.

Für viel Situationskomik und auch Rührung sorgt die Familie von Dottys Professoren-"Papa", bei der sie wohnt. Sohn Ricky etwa erweist sich als wahrer Freund. Der Professor selbst, Leiter des Projekts "Dotty", versucht ihr geduldig Werte wie Anstand oder Loyalität zu erklären. Seine Ehefrau begreift übrigens als allerletzte, dass Dotty ein Roboter ist.

Die besondere Geschichte, die im Grunde der großen Frage nachgeht, was es bedeutet, Mensch zu sein, hat zwei Schöpfer: David Edmonds ist Philosoph, Autor, KI-Fachmann und Betreiber von "Philosophy Bites", einem Podcast, dessen Folgen bereits über 35 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Bertie Fraser ist Journalist und Gründer von "Storynory", und betreibt mit rund einer Million Downloads pro Monat eine der erfolgreichsten Podcast- und Audio-Websites für Kinder. (ab 10 Jahre)

Bertie Frazer und David Edmonds: Undercover Robot - Mein erstes Jahr als Mensch. Aus dem englischen von Henriette Zeltner-Shane. Ars Edition 2021. 251 Seiten, 15 Euro.

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