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Ken Adam zum 100. Geburtstag:Der Mann, der die Zukunft erfand

MOONRAKER, 1979 Courtesy Everett Collection !ACHTUNG AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright:

Im Hauptquartier des Bösen: Ken Adams Set für den Bond-Film "Moonraker".

(Foto: Everett Collection/Imago)

Erst angeblich talentfrei, dann Kampfpilot, schließlich 007-Miterfinder und Oscarpreisträger: Ken Adam ist der berühmteste Filmarchitekt der Welt.

Von Gerhard Matzig

Dies ist eine Hommage zu Ken Adams 100. Geburtstag. Also auch eine Geschichte für alle, die einen Großonkel haben, der den ersten kreativen Anflug, ein Bild etwa, als "Haufen von Spinat und Eiern" bezeichnet. Sollte Ihnen jemand sagen, dass Ihre Zukunftsaussicht so schwarz sei wie der Samt, der zum Nennwert von 1,2 Millionen Mark (1979) für den Bond-Film "Moonraker" draufging, dann haben Sie allen Grund zur Hoffnung. Im Idealfall wird es Ihnen so prächtig ergehen wie dem Miterfinder des 007-Universums.

Ken Adam Moonraker

Ken Adams Entwurf für "Moonraker".

(Foto: Ken Adam Archiv/Deutsche Kinemathek)

Aus dem Spinat-Versager Klaus Hugo Adam wurde der nicht nur berühmte, sondern wegweisende Filmarchitekt Ken Adam. Der vom Klaus zum Ken wird, weil in der Nachkriegszeit die Kollegen im Londoner Riverside Studio am unaussprechlichen Klaus verzweifeln. Auch die Kameraden von der Royal Air Force nennen den Deutschen in ihrer Reihe lieber "Heinie". Der Großonkel Paul Meyerstein hätte die fulminante Karriere des Großneffen (talentfrei, Exilant, Kampfpilot, Heinie, Filmarchitekt, Oscarpreisträger) gern beglaubigt. Hätten ihn die Nazis nicht 1942 in Theresienstadt ermordet, weil er Jude war.

Die Geschichte des Sir Kenneth Adam, der am 5. Februar 1921 in Berlin geboren und vor fünf Jahren in London gestorben ist, nahm bald nach dem Krieg die Abzweigung Richtung Filmmärchen. Vom Set her kaum zu unterscheiden von einem glamourösen Bond-Abenteuer. Dennoch ist es auch eine zutiefst deutsche Geschichte.

Sir Ken Adam in München, 2015

Sir Ken Adam bei der Eröffnung seiner Ausstellung "Bigger Than Life"in München.

(Foto: Robert Haas)

In dieser Geschichte lebt der Horror der Judenverfolgung, der die großbürgerliche Kaufmannsfamilie Adam aus der Tiergartenstraße in die Welt scheucht. Letztlich sogar zum Glück für das am Bauhaus geschulte Talent des Jungen. Die Nazis hassten die Bauhaus-Moderne. Der Junge aber liebte die Verbindung von Architektur, Design, Malerei und Zukunftslust. Vom Talent, das sich ins Exil rettet, profitiert noch heute die Deutsche Kinemathek: 2012 erhielt sie das Ken-Adam-Archiv. An diesem Freitag wird es Online-Führungen geben. Und Grußworte. Etwa von Bond-Produzentin Barbara Broccoli. (www.ken-adam-archiv.de)

Der Geehrte durfte seine Neigungen als Production Designer entfalten - und wurde zum Schöpfer von Welten, die gleichermaßen fantastisch und realistisch, utopisch und dystopisch sind. Die vom Raum der Architektur wie von jenem der Erzählung leben. Bekannt wurde Ken Adam mit den eindringlichen Szenenbildern, die er stilprägend für etliche Bond-Abenteuer schuf. Als "das beste Szenenbild, das jemals für einen Film entworfen worden ist", wie Steven Spielberg glaubt, gilt aber der "War Room" in Stanley Kubricks Satire "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben".

Ken Adam Strangelove

Adams Entwurf für den "War Room" in "Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" von Stanley Kubrick.

(Foto: Ken Adam Archiv/Deutsche Kinemathek)

Als Ronald Reagan bei seinem Einzug ins Weiße Haus verlangte, in den nur im Film existenten War Room geführt zu werden, wurde klar, wie groß die Suggestionskraft nicht nur des Films, sondern die von Ken Adam ist. Der Filmarchitekt schuf eine so realistisch wirkende Zukunft, dass man glaubte, man könne sie mit Händen greifen. Heute, im Zeitalter der Begrenzung und Zukunftstristesse, wäre sein entgrenzender und inspirierender Futurismus nötiger denn je.

© SZ/khil
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