Nachlass-Auktion in den USA:Der Geist der Dinge

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Nachlass-Auktion in den USA: Sie war manieristisch, eitel, schrieb gern über sich selbst - und vermutlich schmeckt sogar ein "Gratin dauphinois", zubereitet aus einem aus ihrer Kochbücher, ein wenig nach ihrem Ruhm.

Sie war manieristisch, eitel, schrieb gern über sich selbst - und vermutlich schmeckt sogar ein "Gratin dauphinois", zubereitet aus einem aus ihrer Kochbücher, ein wenig nach ihrem Ruhm.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

In Upstate New York wird der Nachlass der brillanten Schriftstellerin Joan Didion versteigert. Eine Besichtigung vorab, auch des Tischs, an dem 2003 ihr Mann gestorben ist.

Von Christian Zaschke

Man steht also in der Ausstellung des Nachlasses von Joan Didion, der an diesem Mittwoch in Upstate New York versteigert wird, und fragt sich, wer in aller Welt viele hundert Dollar für eine Sonnenbrille ausgeben würde, nur weil eine Schriftstellerin, Reporterin und Drehbuchautorin sie einst getragen hat, als ein Paar an den Schaukasten tritt, eine Frau und ein Mann in den Zwanzigern. "Oh mein Gott", ruft die Frau, "wie unfassbar cool wäre es, eine Sonnenbrille von Joan Didion zu tragen." Man fragt das Paar höflich, ob es wirklich 500 Dollar für eine alte Brille hinlegen würde und erntet einen Blick, der sagt, dass man offenkundig nicht mehr alle Messer in der Besteckschublade habe, und erhält die Antwort: "Es ist eine Brille von JOAN DIDION!"

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