Hörbuch für Kinder:Näseln, krächzen, wispern

Lesezeit: 2 min

Der Auftakt der "Creepy Chronicles"-Reihe über drei jugendliche Monsterjäger ist spannend, voller Cliffhanger - und nichts für zarte Gemüter.

Von Florian Welle

Was für die einen ihr "Oh my God" ist, ist für Brandon sein "Monsterscheiße!". Staunen liegt darin, aber auch Angst. Immer wenn Unglaubliches passiert, bricht es aus ihm heraus. Neuerdings bietet sich dem Jugendlichen ziemlich oft die Gelegenheit dazu.

Brandon ist Horror-Fan. Er betreibt den Blog "Creepy Chronicles", auf dem er seine Follower über mysteriöse Ereignisse informiert, bei denen Monster und Dämonen ihr Unwesen treiben. Er hat eine blühende Fantasie und wird deshalb von seiner Schwester als "Nerdon" gehänselt - Brandon, der Nerd - denn er trägt Brille, verbringt viel Zeit vor dem Computer, ist neunmalklug. Aber dass er eines Tages leibhaftig in der "Höhle der hängenden Hexen" stehen und im Kampf auf Leben und Tod über sich hinauswachsen würde, hätte er nie zu glauben gewagt. Wie hätte er auch ahnen können, dass seine Albträume von einem Angstzehrer ausgelöst werden, der sich von menschlichen Sorgen ernährt. Angstzehrer? Das ist echt "Monsterscheiße". Genauso wie Augenhorter, Friedhofsschlurfer oder Hautsammler. Dass es all diese Kreaturen der Nacht wirklich gibt, erfährt Brandon von dem 14-jährigen Padraig.

Dieser langhaarige Schlaks kreuzt eines Tages gemeinsam mit Hannah, einem lieben Mädchen mit kleinen Hörnern und hellseherischen Fähigkeiten, bei ihm auf und gibt sich als tougher Monsterjäger zu erkennen. Eine entscheidende Begegnung. So verschieden die drei auch sind, sie müssen sich zusammentun. Nur gemeinsam haben sie die Chance, Padraigs verschwundenen Vater zu finden. Doch zuerst gilt es, das Rätsel um ein verfallenes Waisenhaus im Wald zu lösen.

Ein wilder Mix aus Schauerromantik und Horrorklassikern wie "Alien"

"Bloß nicht den Kopf verlieren!" ist der Auftakt zu der Horror-Fantasy-Detektiv-Reihe "Creepy Chronicles", in deren Verlauf vier Schlüssel zur Schattenwelt gefunden werden müssen. In ihr soll angeblich Padraigs Vater, Monsterjäger wie sein Sohn, verschollen sein. Der Schweizer Autor Sergio Dudli hat sich die Saga ausgedacht, die als Buch bei Dtv Junior erschienen ist und parallel für den Audio Verlag von Marius Clarén und Dirk Petrick mit hörbarem Spaß eingelesen wurde. Die Sprecher verleihen den Protagonisten jugendliche Frische, die vielen Bestien lassen sie näseln, krächzen, wispern.

"Creepy Chronicles" ist ein wilder Mix aus Schauerromantik, Horrorklassikern wie "Alien" und einer Portion "Harry Potter". Die Geschichte wird abwechselnd aus Padraigs und Brandons Perspektive erzählt und peitscht ihre Leser und Hörer durch Cliffhanger vorwärts. Das kann der etwas überfrachtete Plot gut gebrauchen: Das ungekürzte Hörbuch hat eine Laufzeit von fast zehn Stunden.

Hörbuch für Kinder: Sergio Dudli: Creepy Chronicles - Teil 1: Bloß nicht den Kopf verlieren! Ungekürzte Lesung mit Marius Clarén und Dirk Petrick. Der Audio Verlag, Berlin 2022. 9 Stunden 54 Minuten, 16 Euro. Ab 12 Jahren.

Sergio Dudli: Creepy Chronicles - Teil 1: Bloß nicht den Kopf verlieren! Ungekürzte Lesung mit Marius Clarén und Dirk Petrick. Der Audio Verlag, Berlin 2022. 9 Stunden 54 Minuten, 16 Euro. Ab 12 Jahren.

(Foto: DAV)

Schauplatz sind die schottischen Highlands. Dudli sorgt für viel Atmosphäre und verzichtet dabei auf kaum ein Klischee vom heulenden Wind über knorrige Eichen und knarzende Dielen bis zum gelblich verfärbten alten Lexikon. Das geht im Gruselgenre in Ordnung. Gemeinplätze wie "Mir gefror das Blut in den Adern" oder "Die Angst sitzt ihm kalt im Nacken" hätte sich der Autor trotzdem schenken können.

Die "Chroniken" sind passagenweise drastisch. Da rollen Köpfe, spritzen Schleim und Blut, gibt es "Menschen-Sushi". Letzteres ist aber auch Beleg dafür, dass Dudli das Geschehen immer wieder mit Witz und Humor jugendgerecht entschärft. Nur für Spinnenphobiker ist das Buch vielleicht nichts: Die kleinen Tierchen spielen eine große Rolle und ergießen sich schon mal wie ein "brodelnder Strom aus dickflüssiger, schwarzer Lava" über die Protagonisten. Bäh!

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