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Die Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

In "Die Berufung" kämpft eine Anwältin gegen Geschlechterdiskriminierung. Die weibliche "Captain Marvel" verdrischt derweil zum Song "Just a Girl" Alienmachos.

Von den SZ-Kinokritikern

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Beale Street

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Quelle: DCM

Ein junges schwarzes Paar im New York der Siebziger, sie ist schwanger, er unschuldig im Knast. Nachdem er 2017 für "Moonlight" den Oscar bekam, hat Barry Jenkins einen Roman von James Baldwin verfilmt. Baldwin liest in den Blicken seiner Figuren, und damit in ihrem emotionalen Leben. Was zählt, macht er zu einer Sache des Sich-Anschauens und damit nachempfindbar: Das einzig Rettende ist Empathie. Ein Meisterwerk

Philipp Stadelmaier

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Die Berufung

Die Berufung

Quelle: eOne Germany

Drei Monate nach dem Dokumentarfilm über Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg folgt das fiktionale Pendant. Das Biopic kann nicht an das außergewöhnliche Leben der echten RBG, an ihre Schlagfertigkeit und Streitlust heranreichen. Mit Felicity Jones in der Hauptrolle erzählt Mimi Leder von ihren Anfängen als Anwältin in einem Präzedenzfall der Geschlechterdiskriminierung. Das wirkt teils etwas pflichtbewusst und aufpoliert, bündelt die Mittel und Kräfte des Hollywood-Erzählkinos aber effektiv in einer Geschichte, die das Beiwort inspirierend ausnahmsweise verdient.

Annett Scheffel

3 / 15

The Big Jump

The Big Jump

Quelle: Kinostar

Regisseur Ernst Kaufmann reist zu den riesigen Skischanzen in Oberstdorf und Kulm, demonstriert deren Höhe, verfolgt die Wettkämpfe, die dort stattfinden. Parallel lässt er etliche erfolgreiche Skispringer vom Reiz des Fliegens erzählen. Dank ihrer unprätentiösen Kommentare entsteht ein höchst sympathischer Interviewfilm über eine Sportart, die viele bewundern, an die sich aber nur wenige herantrauen.

Doris Kuhn

4 / 15

Captain Marvel

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Quelle: Disney / Marvel

Eine junge Frau gerät in den Krieg zweier Alienrassen und wird zur Superheldin Captain Marvel. Der Plot ist Mist, aber was die Regisseure Anna Boden und Ryan Fleck daraus machen, ist unterhaltsame Action-Comedy. Vor allem, weil sie die Geschichte in den Neunzigerjahren ansiedeln, die so modern taten, im Kino aber ein Frauenbild wie aus den Fünfzigern propagierten. Jetzt aber darf eine Heldin retrospektiv Rache nehmen und verdrischt zu "Just a Girl" von No Doubt die Alienmachos im Dutzend.

Anna Steinbauer

5 / 15

Germania

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Quelle: mindjazz

Alle reden heute von alten weißen Männern - aber die gibt es auch in jung. Wie jene, die Lion Bischof in seinem Dokumentarfilm über die schlagende Studentenverbindung Germania porträtiert. Interessanter Einblick in eine bizarre Parallelwelt, die sich über alte Lieder und Manieren, Saufen, inkorrekte Witze und Patriotismus definiert und deren weitere filmische Erforschung durchaus wünschenswert ist.

Philipp Stadelmaier

6 / 15

Hi, A.I.

Hi, A.I.

Quelle: Rise and Shine Cinema

Zusammen mit Menschen, die einen intelligenten Roboter in ihr Leben lassen, nähert sich die Dokumentarfilmerin Isa Willinger ihnen an - ihrer befremdlichen Art zu denken und zu sprechen, ihren unbeholfenen Bewegungen. Er tut das angenehmerweise ohne die Vorurteile der KI-Debatte, sondern lässt dem Zuschauer Zeit für die Beobachtung. Vielleicht haben ja auch synthetische Wesen unser Mitgefühl verdient.

Philipp Bovermann

7 / 15

Helmut Berger, meine Mutter und ich

Helmut Berger, meine Mutter und ich

Quelle: Edition Salzgeber

Ein alternder, exzentrischer Star als Mitbewohner? Die Mutter der Filmemacherin Valesca Peters will den abgestürzten österreichischen Schauspieler Helmut Berger vor weiteren Dschungelcamp-Eskapaden bewahren und nimmt den einst schönsten Mann und Lover Viscontis bei sich im niedersächsischen Dorf auf. Schräge Doku, bei der irgendwann nicht mehr klar ist, wer eigentlich die Regie führt.

David Steinitz

8 / 15

Kirschblüten und Dämonen

Kirschblüten und Dämonen

Quelle: Constantin

Rudi und Trudi sind seit zehn Jahren tot, mit ihrem Sohn Karl (Golo Euler) geht es seitdem den Bach runter. Plötzlich steht Yu vor seiner Tür, die einst in Japan, dem Sehnsuchtsland seiner Frau, für den kranken Rudi da war. Nun hilft sie Karl, sich seinen Dämonen zu stellen. Doris Dörries neuer Film ist ein Wiedersehen mit Familie Angermeier aus Kirschblüten - Hanami. Doch leider gerät es allzu bedeutungsschwanger. Vor allem aber vermisst man die traumhaften Bilder, die den Vorgänger auszeichneten.

Ana Maria Michel

9 / 15

Mid90s

Kinostart - 'Mid90s '

Quelle: MFA

Los Angeles Mitte der Neunziger, der große Stillstand. Stevie ist dreizehn, Skateboarding auf den Straßen und in Hinterhöfen ist sein großer Traum, langsam schafft er es, dass eine Gruppe Skate-Jungs ihn als Kumpel aufnimmt. Sie nennen ihn Sunburn. Der Film eines Außenseiters, die erste Regie von Schauspieler Jonah Hill. Sunny Suljic ist Sunburn und Lucas Hedges sein älterer Bruder, der seine Unsicherheit und Einsamkeit hinter ruppigen Attacken auf den Bruder verbirgt. Sich auf ein Skateboard schwingen, bringt einen auch nicht wirklich von der Stelle.

Fritz Göttler

10 / 15

Rate Your Date

Kinostart - 'Rate Your Date'

Quelle: Fox Deutschland

Dating-Komödie, nächster Versuch. Nach Rudi Gauls "Safari" erzählt nun David Dietl von paarungswilligen Smartphone-Wischern. Ihre Wildbahn ist Berlin und nicht München, doch im Kern geht's um dasselbe: Eine Superduper-Dating-App soll Schwung ins Leben der Großstädter bringen. Vier Start-up-Kollegen wider Willen (im Fokus: Alicia von Rittberg und Marc Benjamin) erfinden Kategorien wie "Sextremist" und "Crazybitch", doch sie selbst lernen, dass Liebe in keine Schublade passt. Der Plot ist so erwartbar wie der Regen, der einsetzt, als es den Reißbrett-Figuren so richtig mies geht. Die Story franst aus, Anke Engelke wird verheizt. Wisch und weg!

Bernhard Blöchl

11 / 15

The Sisters Brothers

Der Film 'The Sisters Brothers' kommt Donnerstag in die Kinos

Quelle: Wild Bunch Germany

Triggerwarnung für Arachnophobiker! JOHN C. REILLY KRABBELT EINE GIFTSPINNE IN DEN MUND! Ansonsten ein veritabler Eurowestern mit Hollywoodstars, gedreht in einem spanischen Western-Themenpark (!) und in Rumanien. Jacques Audiards Verfilmung von Patrick deWitts 2011 für den Booker Price nominierten Roman zeigt einen wilden Westen, der so real ist, wie vor vier Jahren in "Dheepan" die Pariser Vorstadt. Joaquin Phoenix hat Spaß als perfekter Freak, Jake Gyllenhaal ist sehr niedlich - und nebenbei bietet dieser witzige, traurige und charmante Film über die Killerbrüder Sisters die ideale Entspannung für begeisterte "Red Dead Redemption" 2-Spieler, die mal ne Auszeit brauchen und trotzdem in Stimmung bleiben wollen.

Juliane Liebert

12 / 15

Stell dir vor, du müsstest fliehen

Stell dir vor, du müsstest fliehen

Quelle: Cine Global & Cinespañol

Fiktives Flüchtlingsdrama, das die Richtung umdreht: hier ist Europa nicht Ziel, sondern Ausgangspunkt. Ein Schwede und sein kleiner Sohn verlassen ihr kriegsgebeuteltes Land, müssen zu Fuß durch die Fremde, heimlich Grenzen queren, im Schlauchboot übers Meer. Jesper Ganslandt zeigt bekannte Situationen einer Flucht mit ruhigen, stilisierten Bildern, die dem Thema mehr Nachdruck verleihen als die Ethnie der Betroffenen.

Von Doris Kuhn

13 / 15

Vom Lokführer, der die Liebe suchte

Vom Lokführer, der die Liebe suchte

Quelle: Neue Visionen

Ein alternder Lokführer rollt mit seinem Güterzug durch die Weiten Aserbaidschans, übernachtet in einsamen Metallbetten und bekommt Menschen nur zu Gesicht, wenn er das Dorf durchfährt. Dort findet das Leben inmitten der Gleise statt: Männer stellen Tische darauf und trinken Tee, schöne Frauen spannen Wäscheleinen quer darüber. Als sein Zug bei der Durchfahrt mal wieder etwas Wäsche aufgabelt, einen verheißungsvollen blauen Spitzen-BH, begibt der Lokführer sich ganz ohne Dialoge auf eine cinderellahafte Suche nach der Besitzerin. Der Film von Veit Helmer ist berührend in der Sehnsucht des Lokführers nach menschlicher Begegnung. Aber albern in der brustfixierten Darstellung der Dorfbewohnerinnen, die den Lokführer naiv-verführerisch glauben lassen wollen, dass der mal zu kleine, mal zu große BH ihnen passt.

Aurelie von Blazekovic

14 / 15

White Boy Rick

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Quelle: Sony

Detroit in den Achtzigerjahren: Der 14-jährige Rick (Richie Merritt) wird vom FBI als Undercover-Informant rekrutiert, was sich bald als Einführung in eine kriminelle Karriere erweist. Sein Vater (Matthew McConaughey), selbst eine halbseidene Type, kann das nicht verhindern. Eine wahre Geschichte, von Yann Demange gut umgesetzt, hervorragend gespielt. Aber es gibt keinen Kontext, Ricks Geschichte steht für nichts.

Susan Vahabzadeh

15 / 15

A Young Man With High Potential

A Young Man With High Potential

Quelle: Forgotten Film Entertainment

Die hübsche Kommilitonin betritt die Studentenbude des Informatiknerds. Am Ende der Nacht taucht sie, auf ein gutes Dutzend Pakete verteilt, in einer Packstation wieder auf. Was dazwischen passiert? Im Trailer sieht es so aus wie ein Psychothriller. Tatsächlich zeigt uns Linus de Paoli in dummdreister Ausführlichkeit, wie die junge Frau erst betäubt, dann sexuell missbraucht und schließlich in der Badewanne zersägt wird. Und das Allerbeste: Anschließend ist der mordende Nerd dadurch zu einem reiferen Mensch geworden. Das soll wohl provokant sein, ist aber einfach nur doof, frauen- und menschenverachtend.

Philipp Bovermann

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