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Fall Gurlitt:Begehrte Trophäen

Die öffentliche Meinung der Nachkriegszeit bestärkte die Klitterungen. Denn nun waren die verfemten Bilder zu begehrten Trophäen geworden. Als könne man das Unrecht beziffern und ihm ein Preisschild ankleben, um sich mit einem Gemälde von Nolde oder Münter, Pechstein oder Kokoschka auf eine verquere Weise symbolisch von der Schuld frei zu kaufen.

Rückblickend verblüfft es, wie wenig das Ansehen der verstrickten Händler-Clique gelitten hat. Erst jetzt, nach dem Schwabinger Bilderfund, erscheint es befremdlich, wie sich die Szene auf "Tradition" beruft.

Ende dieser Woche ruft man im Berner Auktionshaus Stuker beispielsweise mit viel Pomp eine Sammlung auf, die genau den gleichen Kontinuitäten entstammt. Den Katalog ziert der Namenszug der Münchner Kunsthandlung Fischer-Böhler.

Die lange, einleitende Firmenchronik vermerkt zur Epoche des Dritten Reichs und des Kriegs aber nur, dass man diese Jahre insofern gut überstanden habe, als man "große Warenbestände schon vor den ersten Bombardierungen" ausgelagert hatte. Die meisten Provenienzen verkürzen sich auf den Namen des ehemaligen Inhabers "Sammlung Karl Fischer".

Nazi-Raubkunst in München

Neuheiten von Dix und Chagall

Doch, so ein Kenner des Kunsthandels: habe Fischer-Böhler nicht nur "reihenweise Nazi-Villen ausgestattet" und den Obersalzberg beliefert? Die Protokolle der National Archives belegen hervorragende Geschäftsverbindungen. Prominenter Auftrag war die "leihweise" Möblierung eines Stifts bei Linz, wo die Reichsrundfunkgesellschaft eine Niederlassung einrichtete.

Dem wuchtigen Geschmack der Zeit entsprechend, lieferte Fischer-Böhler Barocksofas, Sitzgarnituren aus Nussbaumholz, Schreibtische mit Elfenbeinbeschlag. Große Möbelwagen transportieren die Ware nach dem Krieg wieder nach München in die Lager der Firma Fischer-Böhler.

Forschungsprojekt zum braunen Kunsthandel

Es geht in diesem Fall nicht um die rechtliche Situation, sicher wird das Auktionshaus keine Raubkunst-Gemälde aufrufen. Aber ob sich unter den jetzt gelisteten Losen auch das eine oder andere Reichsrundfunkmöbel befindet?

Die Prosa des Kataloges jedenfalls betont die Kontinuität, wo man beispielsweise eine Rokoko-Vertäfelung (Los 134) anpreist, die Karl Fischer schon während des Dritten Reichs verwenden wollte, dann aber erst in der Nachkriegszeit in der Residenzstraße anbrachte: Die mit Pfauen bemalten Tafeln seien seither "untrennbar mit dem Namen Fischer-Böhler verbunden", heißt es. Los 134 wird übrigens mit einem Schätzpreis von 100.000 bis 150.000 Euro angeboten.

Unterdessen fehlt es denen, die trübe Kapitel nachkriegsdeutscher Kunstgeschichte wissenschaftlich aufarbeiten wollen, an Geld: Meike Hopp, Christian Fuhrmeister und Stefan Klingen hatten als Wissenschaftler der Henkel-Stiftung im vergangenen Jahr ein Forschungsprojekt zum braunen Kunsthandel und seinen Kontinuitäten vorgestellt. Die Stiftung sei begeistert gewesen, berichten sie - doch leider fehlt es dafür an Geld.