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"Exodus" im Kino:Denn ich bin der Herr ...

Szene aus Exodus: Gods and Kings (2014)

"Also ließ der Herr Hagel regnen über Ägyptenland". Dies ist siebte Plage des "Exodus", Frösche, Stechmücken, Viehpest und Blattern waren schon da.

(Foto: fox)

Pünktlich zu Weihnachten kommt Ridley Scotts Bibel-Verfilmung "Exodus: Götter und Könige" ins Kino. Beim Anblick all der Naturgewalten, Plagen und Katastrophen spürt man den Schauder des Erhabenen, gepaart mit Zufriedenheit. Man lernt, selbst wie ein rachsüchtiger Gott zu denken.

Seltsam ist das Gefühl durchaus. Da fliegt der Blick zum Beispiel hoch über dem Nil zum Pharaonenpalast - und folgt einem riesigen Heuschreckenschwarm, der gerade in der Stadt einfällt. Da wandert, ganz von oben betrachtet, ein schwarzer Schatten über die Lehmhäuser der Ägypter - und bringt tausendfachen Tod. Da rollt, aus sicherer Höhe gefilmt, eine gigantische Flutwelle heran, um eine ganze flüchtende Armee aus Reitern, Streitwagen und Speerträgern unter sich zu begraben.

Den winzigen Menschen, die da unten ameisengleich herumwuseln, geht es dabei nicht gut. Das lässt sich nicht wirklich leugnen. Aber man leidet nicht mit ihnen. Beim Anblick der Naturgewalten, Plagen und Katastrophen und Heimsuchungen, die da hereinbrechen, spürt man etwas ganz anderes: den Schauder des Erhabenen, gepaart mit Zufriedenheit. Wie man sich eben möglicherweise so fühlt, als alttestamentarischer Gott.

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"Exodus" im Kino

Ziemlich gute Schlachtgemälde

Regisseur Ridley Scott erzählt in seinem Bibel-Epos "Exodus" die Geschichte von Moses. Mit einem klassischen Bibelfilm hat der Blockbuster nur wenig gemein. Er ist eher ein Spektakel wie "Gladiator".

Immer wieder gibt es diese Momente in Ridley Scotts "Exodus: Götter und Könige", der die Geschichte von Moses noch einmal erzählt, vom Auszug der Israeliten aus Ägypten.

Mit Christian Bale als Moses, wie immer von zuverlässiger Intensität. Zuerst ist er ein großer Heerführer, als adoptierter Sohn des Pharao. Der sich dann mit Ramses (Joel Edgerton), seinem Halbbruder, überwirft und herausfindet, dass er zum Volk der Juden gehört. Um dann vor dem brennendem Dornbusch die Botschaft zu empfangen, dass er dieses Volk aus seiner Sklaverei befreien muss. Die alte Geschichte. Ein Bibelfilm.

Aber im rechten Licht betrachtet, sind eigentlich alle großen Katastrophenfilme Bibelfilme. Auch wenn sie, beispielsweise, von Roland Emmerich sind und gänzlich säkular daherkommen. Wenn Hochhäuser einstürzen und Erdbeben wüten und Kometen einschlagen, dann haben die Menschen in der Wirklichkeit doch meistens nicht den Überblick. Denn rennen sie um ihr Leben, umhüllt von Feuer und Staub.

Mit Computerillusionstechnik zur Machtentfaltung

Wer den Überblick behalten will, um auch die Schönheit und Erhabenheit der Zerstörung zu sehen, muss schauen wie ein Gott. Oder wie ein Soldat am Steuerpult einer Drohne. Von ganz oben, aus sicherer Warte, im Wolkenkinosessel zurückgelehnt. Je mehr Megatonnen und Schubkräfte und Kollisionsenergien das Kino herumwuchten kann, weil seine Computerillusionstechnik immer besser wird, desto näher kommt es göttlicher Machtentfaltung.

Der "Exodus" aber und die Bilder, die er dank der verschiedenen heiligen Schriften in die Köpfe eingepflanzt hat, sind der Ursprung dieses Gefühls: Das erste ganz große, unübersehbare Statement von oben.