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Charly Hübner über "Banklady":"Die Zeit lebte von diesen Heinz-Erhardt-Figuren"

"Banklady" spielt in den Wirtschaftswunderjahren, die für Westdeutschland sehr prägend waren. Der American Way of Life etablierte sich langsam, andererseits herrschten noch strenge Moralvorstellungen vor. Wie ist es Ihnen als gebürtigem DDR-Bürger gelungen, sich da hinein zu versetzen?

Nadeshda Brennicke und Charly Hübner in dem Film "Banklady"

Dem Charmeur verfallen: Gisela Werler (Nadeshda Brennicke, links) ist für den Witz von Hermann Wittorff (Charly Hübner) empfänglich. Das geht sogar so weit, dass sie ihm bei seinen Banküberfällen hilft.

(Foto: StudioCanal Deutschland)

Es gibt die Parallele, dass in meinem Umfeld viele Menschen sehr auf den Materialismus im Westen fixiert waren. Das ging so weit, dass in der Schule Snickers-Papiere getauscht wurden gegen Spielzeug. Das war heiße Tauschware. Und Leute mit einer West-Jeans wurden mehr bewundert als Leute mit einer Ost-Jeans. Bei den Autos gab es klare Abstufungen: Der Trabi war für jedermann, der Wartburg war schon viel mehr wert, die Russen-Autos waren für die Bonzen und der Westwagen, das war eigentlich nicht real.

Und wie materialistisch waren Sie? Haben Sie sich damals auch durch schöne Dinge verführen lassen, die man besitzen kann?

Ich wollte einfach nur meine Platten haben. Das war schwer genug. Denn das waren Platten, die schon im Westen nicht in jedem Plattenladen zu kriegen waren. An das konnte ich anknüpfen.

Ihre Filmpartnerin Nadeshda Brennicke hat gesagt, dass Sie ihr absoluter Wunschkandidat für die Rolle des Wittorff gewesen seien, unter anderem wegen Ihrer nicht ganz perfekten Figur. Ein Adonis hätte sich niemals für so ein Aschenputtel wie Gisela Werler interessiert. Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Dass ich deswegen für die Rolle geeignet sein soll, habe ich so noch nicht gehört, das finde ich auch interessant. Es passt aber, dass das kein Schönling ist. Denn die Zeit lebte ja von diesen Heinz-Erhardt- und Ludwig-Erhard-Figuren. Damals war es viel mehr als heute verbreitet, dass der Bauch etwas mit Reichtum zu tun hatte. Es gibt ja heute noch Kulturen, in denen der Bauch ein Statussymbol ist, nicht in Mecklenburg, aber in Indien zum Beispiel.

In der Berichterstattung über Sie wird Ihre Figur immer wieder thematisiert. Es fallen Begriffe wie "Wampe" oder es wird gefragt: 'Wie trägt der seinen Bauch?' Was sagen Sie dazu, dass solche Äußerlichkeiten so wichtig zu sein scheinen?

Das geht an mir tief im Süden vorbei. Ich kenne ja meinen Körper und weiß auch, was ich mit dem in der Arbeit mache. Der sieht für mich immer anders aus: Da gibt es Rollen, die sind noch dicker als Bukow und dann gibt es Figuren, für die muss ich abnehmen. Dieses Jahr habe ich noch eine Rolle vor der Brust, da muss ich gucken, dass ich wirklich sieben oder acht Kilo runterkomme und mich vielleicht auch sportiv betätigen. Ansonsten beschäftigt mich das aber gar nicht, auch weil ich nicht alles mitbekomme, was über mich geschrieben wird. Nur einmal habe ich einen Artikel gelesen, da stand, dass ich der Gegenentwurf zu Christiano Ronaldo sei, der mit seinem Sixpack Tore im Wert von Millionen schieße. Das fand ich schon wieder lustig. Denn es ist ja furchtbar anstrengend, so einen Sixpack überhaupt hinzukriegen. Was man mit der Lebenszeit alles an schönen Dingen erleben könnte, an Muße. Deswegen habe ich keinen Sixpack.

Mit Muße allein wird's im Schauspielberuf aber nicht immer gehen: Matthew McConaughey und Jared Leto haben für ihre Rollen in dem Aids-Drama "Dallas Buyers Club" extrem abgenommen, jetzt haben beide einen Oscar.

Für mich geht es um den Grad der Glaubwürdigkeit der Rolle und nicht um den Leistungssport unter Schauspielern, wer sich noch extremer kaputtmachen kann. Wenn ich zum Beispiel jemanden spielen soll, der Kampfschwimmer ist und jeden Tag zehn Kilometer schwimmt, dann hat der eine andere Statur als ich. Die Oberarme und Schultern sind anders definiert, die Muskelpartien sind sichtbarer als bei mir jetzt. Dass muss man dann hinkriegen.

© SZ.de/rus

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