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BET Awards in Los Angeles:Black America beansprucht einen Extrastern für sich

Kendrick Lamar bei den BET Awards in Los Angeles.

Zwischen Trauer und Wut, Optimismus und Angst: der aktuell bedeutendste Rapper Kendrick Lamar bei den BET Awards in Los Angeles.

(Foto: AP)
  • Bei den BET Awards in Los Angeles ist Kendrick Lamar als bester Rap-Künstler des Jahres ausgezeichnet worden.
  • Lamar nutzte seinen Auftritt bei der Preisverleihung, um ein Zeichen für das unterrepräsentierte und verfolgte "Black America" zu setzen.

Von Jan Kedves

Als Barack Obama am vergangenen Freitag bei einer Trauerfeier für die Opfer des rassistischen Kirchen-Attentats von Charleston, South Carolina, seine Stimme erhob und, umringt von lila gewandeten Geistlichen, "Amazing Grace" sang, war dies ein hochsymbolischer Akt, der das schwarze Amerika bewegte und einte.

Zu einer ähnlich starken Verbindung von Musik und Symbolik kam es am Sonntagabend bei den diesjährigen "BET Awards" in Los Angeles: Der Rapper Kendrick Lamar rappte zur Eröffnung der seit 2001 vom Sender Black Entertainment Television ausgerichteten Preisverleihung seinen Song "Alright" - auf dem Dach eines Polizeiwagens stehend, im Hintergrund eine riesige Stars-and-Stripes-Flagge.

"We gon' be alright" - Es wird schon gut gehen

Lamar, der für sein im März erschienenes, von Funk, Jazz und sozialkritischen Texten geprägtes Album "To Pimp a Butterfly" weltweit gefeiert wird und an diesem Abend als bester Rap-Künstler des Jahres ausgezeichnet wurde, bringt in "Alright" die schizophrene Gefühlslage seiner Generation auf den Punkt.

Unter anderem rappt er die Zeile "We hate po-po / Wanna kill us dead in the street fo sho" ("Wir hassen die Polizei / Sie wollen uns auf der Straße töten, ganz sicher"), im Refrain jedoch hält er die Hoffnung hoch: "We gon' be alright" - "Wird schon gut gehen".

Die gigantische Nationalflagge als Kulisse für den Auftritt erschien durchaus passend: eine 16 mal 5 Meter messende Installation des afroamerikanischen Künstlers William Pope.L, die in den letzten Wochen im Museum of Contemporary Art in Los Angeles ausgestellt wurde.

Das Kunstwerk mit dem Titel "Trinket" hat in den USA viel Aufsehen erregt, weil es am äußeren Ende zerrissen ist und sich im Wind der Ventilatoren noch weiter auflöst, vor allem aber, weil William Pope.L einen zusätzlichen Stern in die Flagge eingenäht hat.

Der Künstler selbst ließ die Bedeutung dieses Extrasterns offen, amerikanische Kritiker interpretierten ihn als Symbol für das unterrepräsentierte und verfolgte "Black America".

Auf der Bühne der BET Awards, stand dieser 51. Stern für Kendrick Lamar selbst, den aktuell bedeutendsten Rapper, und, wichtiger noch, für die Suche des schwarzen Amerika nach Symbolen, die seine Zerrissenheit zwischen Trauer und Wut, Optimismus und Angst zu fassen in der Lage sind.

© SZ vom 30.06.2015

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