Angeben für Anfänger:Weia Weia mit Lanze

Bald ist wieder vom "Grünen Hügel" die Rede, von "glanzvollen Auftritten" und unter einem Gesamtkunstwerk geht's ja sowieso nicht. Alles, was man wissen muss über: Bayreuth.

Katharina Riehl

4 Bilder

Bayreuther Festspiele

Quelle: ddp

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Was ist das?

Bayreuth ist zunächst einmal eine oberfränkische Kleinstadt. Eine Stadt mit gut 70.000 Einwohnern, die schon ein paar hundert Jahre stand, bevor ein gewisser Richard Wagner überhaupt das Licht der Welt erblickte (das übrigens in Leipzig). Ende des 19. Jahrhunderts aber gründete eben dieser Komponist das Festspielhaus Bayreuth - und machte den Namen der kleinen Stadt zu einem Synonym für ein jährliches Treffen von Politikern und anderen Menschen, die sich gerne in Verbindung mit einheimischer Hochkultur fotografieren lassen.  

Dass die Festspiele die Stadt am Roten Main lange an Prominenz überholt haben, erkennt man auch daran, welche Menschen man auf diesem Bild ohne weiteres identifizieren kann: die Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner (l.) und Eva Wagner-Pasquier (r.) oder Bayreuths Bürgermeister Michael Hohl? Na eben.

Texte und Bildauswahl: Katharina Riehl/sueddeutsche.de/luc/bgr

Vorbereitung Bayreuther Festspiele

Quelle: dpa

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So machen Sie sich lächerlich:

Wer schon einmal in einem Opern-Foyer stand, kennt die Gefahr, in die man sich dort leicht begibt: die Plauderei. Plaudereien über Inszenierungen, von denen nicht jeder so viel versteht wie er laut darüber spricht. An dieser Stelle soll deshalb an den unfreiwilligen Münchner Opernfan Franz Münchinger, den Monaco Franze, erinnert werden. Der ließ sich, weil er bei den besagten Plaudereien seiner Gattin nicht mithalten konnte, von einem Opernkritiker ein paar schlaue Sätze einflüstern und erklärte daraufhin: "Am schlimmsten ist das Münchner Opernpublikum - hat überhaupt keine Ahnung, aber jubelt kritiklos jeden Schmarren zu einem einmaligen Erlebnis hoch."

Von der Plauderei übrigens ist der Weg zu Phrase nicht weit. Gerade Bayreuth lädt zu deren Verwendung, ist doch schon allein der Platz des Festspielhauses bekanntlich eine: Auf dem "Grünen Hügel" finden die Aufführungen statt, von "glanzvollen Darbietungen" ist dann schnell die Rede oder gar von "überwältigenden Stimmen". Vor übermäßigem Gebrauch soll hier dringend gewarnt werden.

Wolfgang Wagner Funeral In Bayreuth

Quelle: Getty Images

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So schinden Sie Eindruck:

Um überwältigende, glanzvolle Peinlichkeiten zu vermeiden, empfiehlt es sich, in Sachen Bayreuther Festspiele ein wenig näher ranzurücken und genauer hinzusehen. Um mit ihrem Wissen zu beeindrucken - und die Audienz im Foyer zu unterhalten - haben Sie zwei Möglichkeiten:

1. Sprechen Sie über Operninszenierungen, die unter den anwesenden Herrschaften garantiert keiner gesehen haben kann. Loben Sie zum Beispiel Heinz Tietjens Inszenierung des Parsifal, der von 1937 bis 1939 unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Furtwängler gegeben wurde. Aber Vorsicht: das Publikum in Festspielhäusern sollte bei dieser Methode in Bezug auf sein durchschnittliches Alter in keinem Fall unterschätzt werden.

2. Plaudern Sie ein wenig aus dem Bayreuther Nähkästchen, schüttlen Sie zum Beispiel den Kopf über die Querelen um die Nachfolge des jahrelangen - und mittlerweile verstorbenen - Festspielleiters Wolfgang Wagner. Der sollte schon 2001 abdanken, seine Tochter Eva Wagner-Pasquier nachrücken. Wolfgang Wagner weigerte sich zu gehen - um dann, sieben Jahre später, seine beiden Töchter Eva und Katharina doch noch zu seinen Nachfolgerinnen zu machen. Und wenn Ihnen gar nichts mehr einfällt können Sie - als letzter Rettungsanker quasi - natürlich immernoch über die eine ganz besondere Freundschaft von Richards Schwiegertochter Winifred Wagner sprechen: die zum Reichskanzler und Wagner-Fan Adolf Hitler.

Schlingensief kritisiert Wagner-Festspielleitung

Quelle: ddp

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Zitieren Sie:

Einen, der sich auskennt, schließlich war er schonmal ganz nah dran: Von 2004 bis 2007 inszenierte Christoph Schlingensief in Bayreuth des Parsifal. Zitieren Sie ihn auch deshalb, weil im Foyer-Gespräch eine steile These immer besser ist als gar keine These - und Schlingensief mit seiner Meinung selten hinterm Berg hält:

Ende vergangenen Jahres erklärte er über die neuen Leiterinnen der Richard-Wagner-Festspiele, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier - und deren Pläne, die Festspiele auf einer Leinwand zu übertragen: "Die ganzen Vermarktungsmätzchen in Bayreuth und die Geschichten rund um die Familie empfinde ich als mickrig."

Trotzdem schöne Festspiele! Bis nächstes Donnerstag!

© sueddeutsche.de/kar / bgr
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