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"Alles Geld der Welt" im Kino:Viel besser als Kevin Spacey

Christopher Plummer, Charlie Shotwell

Alter Ekel als moderne Variante von Charles Dickens' Ebenezer Scrooge: Christopher Plummer (links) und Charlie Shotwell in einer Szene von "Alles Geld der Welt".

(Foto: AP)

"Alles Geld der Welt" ist trotz oder vielleicht auch wegen des neuen Hauptdarstellers Christopher Plummer ein astreiner Suspense- Thriller.

Die größte Präsenz in diesem Film hat zunächst natürlich die Person, die gar nicht mehr darin zu sehen ist. Regisseur Ridley Scott hat den Schauspieler Kevin Spacey nachträglich aus seinem Thriller "Alles Geld der Welt" entfernt, nachdem dieser durch Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe diskreditiert worden war. Die Rolle des geizigen Öl-Magnaten John P. Getty spielt nun der Kanadier Christopher Plummer. Weshalb man zumindest in den ersten Minuten dieser Entführungsgeschichte nicht drum herum kommt, auf jedes Detail im Schnitt zu achten: Fügen sich Plummers Auftritte natürlich in den Film ein oder wirken sie wie hektisch im Nachhinein dazumontiert?

Die Antwort ist eine Synthese aus beidem, denn Plummers Szenen wurden ja tatsächlich in nur neun Tagen gedreht und in den fertigen Film gebastelt, damit er am Weihnachtswochenende in den USA starten konnte. Aber Regisseur Ridley Scott, der kürzlich seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, ist derzeit in einer wirklich bewundernswerten Altershöchstform, weshalb er alle Kevin-Spacey-Grübeleien mit dieser rasanten Kidnapping-Geschichte blitzschnell vertreibt.

"Alles Geld der Welt" erzählt in sanft fiktionalisierter Form von der echten Entführung des Milliardärsenkels John Paul Getty III. Der damals 16-Jährige wurde 1973 in Rom auf offener Straße entführt. Für großen Medienwirbel sorgte die Geschichte vor allem deshalb, weil der stinkreiche Großvater sich weigerte, die geforderte Lösegeldsumme von 17 Millionen Dollar zu bezahlen.

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Gail, die Mutter des Entführten und Schwiegertochter des alten Getty (Michelle Williams), und Fletcher (Mark Wahlberg), ein ihr wohlgesonnener Getty-Mitarbeiter, versuchen, den Patriarchen zum Zahlen zu überreden. Diese familieninternen Machtkämpfe bilden einen Großteil der Handlung. Und wie es die reale Vorlage will, kommt der Teenager nach ein paar wilden Story-Volten zwar wieder frei - allerdings nicht mit allen Körperteilen, mit denen er in diesen Albtraum gestartet ist. Denn auch im Privatleben war Getty ein gnadenloser Geschäftsmann, der folgende Rechnung aufmachte: "Ich habe noch 13 andere Enkel. Wenn ich jetzt zahle, habe ich 13 entführte Enkel."