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Gehört, gelesen, zitiert:2048

Ein Leipziger Think Tank skizziert eine linke Utopie für die Mitte des 21. Jahrhunderts.

Es sind im Moment ja eher apokalyptische Prognosen darüber zu hören und zu lesen, was passiert, wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher: Eisschmelze, Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen, Abschottung der Reichen, Anstieg der Weltbevölkerung auf 12 Milliarden Menschen, Konflikte, Hungersnöte, Seuchen und so weiter und so weiter. Der Band "Verbündet Euch! Für eine bunte solidarische und freie Gesellschaft" (Edition Nautilus) versucht sich an sehr, sehr viel optimistischeren Ausblicken. In ihrem Aufsatz "Für eine neue linke Erzählung und wo wir sie suchen müssen" skizziert die Publizistin Julia Fritzsche mit Verweis auf das Projekt "Eine Vision für 2048" des gemeinnützigen Leipziger Think Tanks "Konzeptwerk neue Ökonomie" unser Leben in der Mitte des 21. Jahrhunderts etwa so:

"Wir versorgen uns vor allem mit lokalen Höfen und Handwerksbetrieben statt Sweatshops, Plantagen und Minen im globalen Süden. Seltene, notwendige Materialien aus dem globalen Süden wie für's Handy bauen wir behutsam ab und unter Bedingungen, die die Menschen dort stellen. Auch Märkte und Geld gibt es weiter, neben vielen Bereichen ohne Geld, in denen wir Güter und Dienste anderen zur Verfügung stellen. Eine Grundsicherung ermöglicht allen den Zugang zu Essen und einer Wohnung. Bildung, Krankenhäuser und lokale Busse und Bahnen sind frei zugänglich. Willkommenszentren empfangen all diejenigen, die aus der Lausitz oder Äthiopien neu in ein Dorf oder Stadtviertel kommen, Pässe spielen kaum mehr eine Rolle, denn es gibt globale Bewegungsfreiheit. Unfaire Handelsabkommen und Rüstungsproduktion wurden im Laufe der Jahre abgeschafft, und auch die Menschen im Süden leben hauptsächlich von Wirtschaftskreisläufen auf dem eigenen Kontinent, nicht mehr von ihrer bloßen Zuliefererrolle. Vor allem im Norden leben aber deutlich mehr Menschen als heute auf dem Land, die Städte sind teilweise Ackerflächen. Wir bewegen uns in gut ausgebauten öffentlichen Bahnnetzen, auf Lastenrädern und in geteilten Dorftaxis fort, Fernreisen machen wir mit dem Zug, weil wir sabbatical-ähnliche, lange Ferien haben. Seit Ende der 2020er Jahre wurde die 20-Stunden-Woche zu neuen Vollzeit, bei den unteren Tarifgruppen mit vollem Lohnausgleich."

© SZ/SZ
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