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Studium:Stadtplaner gesucht

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Teamfähigkeit ist eine Kompetenz, die von Raumplanern mehr denn je erwartet wird. Zusammen mit Architekten, Bauingenieuren und anderen Experten diskutieren sie zum Beispiel darüber, wie sich Nachhaltigkeit und der Einsatz erneuerbarer Energien bei einem städtebaulichen Projekt verwirklichen lassen.

(Foto: Imago)

Im Studium erwerben Raum- und Stadtplaner Wissen in zahlreichen Fachgebieten. Ihre Konzepte müssen verschiedenen Interessen gerecht werden. Warum es sich lohnen kann, doch noch den Master zu machen.

Von Joachim Göres

Aufgaben: Erstellen und Bearbeiten von städtebaulichen Entwürfen. Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen nach dem Baugesetzbuch. Erwartungen: Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Präsentation von Arbeitsergebnissen in politischen Gremien, strukturierte Arbeitsweise. Derartige Angaben sind typisch für Anforderungsprofile in Stellenanzeigen für Raumplaner, Stadtplaner oder Absolventen vergleichbarer Studiengänge in Deutschland.

"Es gibt einen Nachwuchsmangel, die Nachfrage nach Fachkräften ist groß", sagt Sabine Baumgart. Die Präsidentin der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft war bis 2018 Professorin an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund, mit 1300 Studierenden und 16 Professuren nach eigenen Angaben die größte Planungsfakultät in Europa. In dem auf acht Semester angelegten Bachelorstudium Raumplanung müssen 26 Module belegt werden, unter anderem Stadtgestaltung und Denkmalschutz, Landschaft und Umwelt, gesellschaftliche Grundlagen sowie Wohn- und Gewerbeimmobilien. Danach kann man im zweisemestrigen Masterstudium seine Kenntnisse vertiefen. "Kern und Markenzeichen der Dortmunder Raumplanungsausbildung ist das forschende Lernen in Projekten und Entwürfen", in denen "praxisnah, interdisziplinär und wissenschaftlich in Gruppen raumplanerische Fragestellungen" bearbeitet werden, heißt es auf der Homepage des Studiengangs.

In der Ausbildung spielen rechtliche Fragen, etwa zum Umweltschutz, eine große Rolle

Die Kooperation mit Architekten, Bauingenieuren und anderen Spezialisten spielt im Beruf eine große Rolle, deswegen wird in Dortmund Wert auf Teamarbeit gelegt. "Absolventen müssen dialogfähig sein und sich für viele Themenfelder interessieren, denn bei der Raumplanung muss man viele unterschiedliche Interessenslagen zusammenbringen", sagt Baumgart. Sie fügt hinzu: "Rechtliche Fragen spielen im Studium eine große Rolle. Das ist vielen nicht klar."

Aus der langjährigen Erfahrung als Leiterin des Fachgebiets Stadt- und Regionalplanung an der TU Dortmund weiß sie: "Das Zeichnen mit der Hand und die Erstellung von Entwürfen fällt manchen Studierenden nicht leicht. Das räumliche Denken macht einigen Spaß, anderen weniger." Sie spricht von einer geringen Abbrecherquote, einem ausgeglichenen Anteil von Frauen und Männern unter den Studierenden und einer Mehrheit, die nach dem Bachelor noch einen Master machen will. Masterabsolventen empfiehlt sie ein städtebauliches Referendariat im Anschluss, das nach ihren Angaben in allen Bundesländern im öffentlichen Dienst für die Dauer von zwei Jahren angeboten wird: "Da lernt man so viel wie im Studium, der Abschluss ist allgemein anerkannt und auch für diejenigen von Vorteil, die später nicht in die Verwaltung gehen." Laut der jüngsten Befragung arbeiten die meisten Dortmunder Absolventen im Bereich Stadtplanung, gefolgt von Bauleitplanung und Städtebau.

Neben Dortmund zählen Kaiserslautern (Raumplanung), Hamburg (Stadtplanung), Berlin, Cottbus und Kassel (jeweils Stadt- und Regionalplanung) zu den Universitäten, die eine breite Ausbildung anbieten. Daneben gibt es immer mehr Angebote, die sich auf einzelne Themenfelder der Raum- und Stadtplanung konzentrieren. Dazu gehört der Studiengang Umweltplanung an der Universität Hannover.

Absolventen finden leicht Jobs - bei Behörden oder in der Privatwirtschaft

Verwaltungsrecht, Naturschutzrecht, Umweltverträglichkeitsprüfungen - das sind Themen, mit denen sich Ronja Torkler im Masterstudium Umweltplanung in Hannover auseinandersetzt. "Nach dem Bachelor haben viele Kommilitonen in privaten Planungsbüros angefangen. Dort gibt es viele freie Stellen, aber oft auch keinen guten Lohn", sagt Torkler. Für sie spielte nicht nur die Bezahlung bei der Entscheidung für die Fortsetzung des Studiums eine Rolle: "Im Bachelor bekommt man nur Grundlagen vermittelt, die möchte ich noch vertiefen. Zudem kann man im Master- im Gegensatz zum Bachelorstudium selbst Schwerpunkte setzen."

Torkler lobt die intensiven Diskussionen in kleinen Seminaren mit weniger als zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie berichtet von den Vorbereitungen für ihre Masterarbeit zum Thema "Sicherung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum", für die sie Verantwortliche aus dem Bildungs- und Gesundheitswesen aus zwei Landkreisen interviewt hat. "Die Arbeit in einer Behörde im Bereich Naturschutz finde ich interessant. Im Studium wird man gut darauf vorbereitet", sagt die 26-Jährige. "Vor allem Behörden stellen nach langer Pause wieder ein, aber unsere Absolventen sind auch bei privaten Arbeitgebern wie Immobilienfirmen und Wohnungsunternehmen gefragt", ergänzt Rainer Danielzyk, Professor am Institut für Umweltplanung der Uni Hannover.

Zu den privaten Arbeitgebern gehört auch Planwerk Stadtentwicklung, ein Stadtplanungsbüro in Nürnberg. Dort werden im Auftrag von Behörden Konzepte unter anderem für die Stadt- und Ortsentwicklung erstellt, Untersuchungen für die Verkehrsplanung durchgeführt oder Bevölkerungsprognosen ausgearbeitet. In dem Büro arbeiten Geografen, Soziologen und Kulturwissenschaftler. "Die meisten kommen aus unserer Region, und weil es in Bayern keinen Stadtplanungsstudiengang gibt, haben wir hier nicht viele Stadtplaner", sagt Gunter Schramm, einer der drei Planwerk-Eigentümer. Neue Mitarbeiter werden häufig über mehrmonatige Volontariate gefunden, die dann in ein festes Arbeitsverhältnis münden können. Uniabsolventen müssten wegen der fehlenden Berufspraxis grundsätzlich eingearbeitet werden. Stadtplaner Schramm: "Geografen lernen gut, wie man Projekte bearbeitet, haben aber planerische Grenzen. Stadtplaner können besser entwerfen. Universalgenies zu finden, ist schwierig."

In Festanstellung, verbeamtet oder freiberuflich - nach Angaben der Bundesarchitektenkammer sind in Deutschland knapp 7000 Stadtplanerinnen und Stadtplaner im Einsatz. Die Anzahl der Architektinnen und Architekten beträgt laut Bundeskammer-Statistik gut 132 000 - damit ist sie um ein Vielfaches höher.

© SZ/ssc/mai
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