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Work-Life-Balance:Trugbilder von paradiesischen Dingen

Die Tourismus- und Freizeitindustrie tut das ihre, um Trugbilder zu nähren über die paradiesischen Dinge, die man tun könnte, wenn man nur die Zeit hätte. Und so geraten die Arbeitnehmer von heute - der Soziologe Heinz Bude nennt sie in Zeiten zunehmend unscharfer Grenzen zwischen Betrieblichkeit und Privatheit "Arbeitskraftunternehmer" - in genau den Stress, dem sie eigentlich entkommen wollen. Nun gilt es, die Freizeit zu organisieren, zu perfektionieren, zu optimieren.

Kurios Weniger Handgepäck erlaubt - wegen Gegenwind Bilder

Unvergessliche Flüge

Weniger Handgepäck erlaubt - wegen Gegenwind

Beinahe-Abstürze, Flugkapitäne im Drogenrausch, randalierende Passagiere oder Mitreisende in Schlangenform - es gibt Flüge, die man so schnell nicht vergisst. Eine Auswahl.

Für die größeren Eskapaden stehen Traumurlaube zur Verfügung, für die kleinen Fluchten allerlei Entspannungsmethoden, etwa aus einschlägigen Apotheken-Ratgebern: von Qi Gong über Fußreflexzonenmassagen bis zu Atemtechniken.

Alles davon ist legitim. Die Gefahr ist, dass der Urlaub, so wie das womöglich zur Gewohnheit gewordene Feierabendbier, missbraucht wird, um dem Alltag zu entkommen, und nicht, um ein selbstbestimmtes, auch in anstrengenden Arbeitsphasen lebenswertes Leben zu bereichern. Wer Stress wie eine chronische Krankheit erlebt und Entspannung als Sehnsucht, der läuft Gefahr, dass der Urlaub nur wie ein Medikament wirkt, das Symptome bekämpft aber nicht die Ursachen.

Abnabelung vom Nachbar

Selbstverständlich kann niemand verpflichtet werden, seine Arbeit zu genießen. Auch sei das Gegenteil des Entfremdungsgefühls weder gleichbedeutend mit Glück, betont die Sozialphilosophin Rahel Jaeggi, noch führe es in einen harmonisch-konfliktfreien Zustand. Doch ist es definitiv ein besseres Lebenskonzept, mit seinem Alltag ins Reine zu kommen, als krampfhaft die Auszeiten zu perfektionieren.

Auch wenn der Nachbar schon wieder in die Karibik fliegt. Der Saukerl.