Stress am Arbeitsplatz:Unsicherheit ist Stress

Lesezeit: 3 min

Dauerhafte Fehlbelastung führe zu Erkrankungen und Störungen, sagt BAuA-Sprecher Feldmann. "Das gilt für zu geringe als auch zu starke Belastung." Dazu hat er interessante Zahlen parat: 15 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich einer Studie zufolge fachlich unterfordert, nur fünf Prozent überfordert. "Bei der Leistungsfähigkeit ist das Bild genau anders herum: Da fühlen sich nur fünf Prozent unterfordert, aber rund 17 Prozent überfordert."

Stress kann auch noch in ganz anderer Form daherkommen, von der Unsicherheit etwa, die mit vielen Arbeitsverhältnissen kommt: "Viele Menschen arbeiten in prekären Arbeitsverhältnissen wie Leiharbeit und Zeitarbeit. Dies verlangt maximale Flexibilität, Mobilität, Motivation und Belastbarkeit", sagt Meiners. Aber: "Je unsicherer Arbeitsplätze sind, um so mehr führt das zu Belastungen: Lebensplanungen werden erschwert und damit auch soziale Beziehungen."

Ein weiteres Problem: Doping am Arbeitsplatz. "Die hohen Anforderungen verleiten dazu, dauernd fit sein zu müssen und zu wollen", sagt Feldmann. Das bedeute für viele nicht nur, der lästigen Grippe zu entgehen, sondern ihre Leistung mit Pillen gezielt zu steigern. In einer Studie hat die DAK aufgedeckt, dass bis zu zwei Millionen Deutsche am Arbeitsplatz dopen. "Hirndoping bei Gesunden, mit Ritalin etwa, dürfte nach unserer Auffassung in den nächsten Jahren zunehmen", sagt Meiners. Das liege vor allem daran, dass "die Akzeptanz chemischer Substanzen zur Steuerung von Leistung und Stimmung größer werden dürfte".

Eine gefährliche Entwicklung - denn für viele Arbeitnehmer führt die gelegentliche, vermeintlich harmlose Pille in eine Abhängigkeit. "Das ist ein echter Kreislauf: Man nimmt erst was mit aufputschender Wirkung, um noch mehr Leistung zu bringen - und dann braucht man etwas zur Beruhigung, um wieder runterzukommen", sagt Feldmann. Die Versuchung sei groß, weil die Medikamente recht einfach zu beschaffen sind. "Wo Spitzenleistungen gefragt sind, ist die Versuchung groß, zu zweifelhaften Mitteln zu greifen."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema