Spanische Fachkräfte in Deutschland Heute gibt es nicht mehr an jeder Straßenecke Arbeit

Schon einmal war Deutschland das gelobte Land, 50 Jahre ist das jetzt her. Madrid, Mai 1961. Jesús Laurido hatte gerade seine Ausbildung als Buchhalter abgeschlossen und seinen ersten Job verloren. Aber er hatte Lust auf Abenteuer. Mit der Hilfe eines Freundes, der beim Ausländeramt arbeitet, setzte er sich in den Zug. In Kassel zog er in ein Wohnheim mit 530 anderen Spaniern und arbeitete bei AEG, die Firma brauchte ihn, fehlende Deutschkenntnisse hin oder her. "Damals gab es an jeder Straßenecke Arbeit", erzählt Jesús. Heute ist das anders, sagt Monika Varnhagen, Chefin der ZAV, der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur. Die Headhunterin sucht etwa in Vietnam oder Indonesien nach Fachkräften für die deutsche Wirtschaft, neuerdings rekrutiert sie auch in europäischen Krisenländern wie Spanien.

Neben den fehlenden Sprachkenntnissen sieht Varnhagen vor allem in der Kompromisslosigkeit der Arbeitgeber eine große Hürde. Diese wollten hoch qualifiziertes und spezialisiertes Personal. "Solche Leute zu finden, ist ja in Deutschland schon schwer genug!" Auch Arbeitserfahrung sei wichtig. "Dabei haben wir viele Kandidaten, die frisch von der Uni kommen und eigentlich hoch qualifiziert sind. Das zeigt aber auch, dass in manchen Branchen der Leidensdruck nicht hoch genug ist." Noch nicht. Also reist Varnhagen weiter mit Arbeitgebern nach Spanien, wo vorher Mitarbeiter von Eures, einem europaweiten Jobportal, passende Kandidaten aus einer Flut von Bewerbungen ausgesucht und das Kennenlerngespräch organisiert haben.

IW-Experte Koppel schätzt die Arbeit der ZAV, versteht aber nicht, warum es dieses "zwischengeschalteten bürokratischen Players" bedarf und die Firmen ihre Leute nicht selbst suchen. "Da muss Deutschland noch viel, viel stärker werden. Das fängt damit an, dass wir die Spanier, die wir ausbilden, auch halten. Da wird viel Potential verschwendet."

Pablo Cavero Lambán ist auch so zurückgekommen. Nach seinem Ingenieursstudium in Berlin ist der 26-Jährige nach monatelanger vergeblicher Jobsuche in Spanien wieder hier, mit einem unbefristeten Job. "Das ist wie ein Sechser im Lotto. Schließlich gibt es in Berlin auch viele Arbeitslose."

Pablo wunderst sich, dass viele Spanier so verzerrte Vorstellungen haben. "In Deutschland wird Spanien als Paradies verkauft. Die Leute glauben, hier fällt der Traumjob vom Himmel. Und dann gibt es diejenigen, die meinen, sie könnten sich hier genauso bewerben wie in Spanien. Aber die Arbeitskultur ist ganz anders." Aus diesem Grund beraten ZAV-Mitarbeiter auswanderungswillige Spanier vor Ort, wie man sich in Deutschland bewirbt.

Tausende spanische Ingenieure haben sich bei der ZAV schon gemeldet. Es wären wohl noch mehr, wenn nicht praktische Gründe sie davon abhalten würden: die Familie, eine feste Beziehung oder ein Haus, das abbezahlt werden muss. Pablo lässt sich davon nicht abhalten. Er will auf absehbare Zeit in Deutschland bleiben, wie viele andere Spanier auch.