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Innovative Geschäftsideen in Berlin:Taxi ohne Motor

Anselm Franz baut Velotaxis - selber strampeln muss der Ingenieur nicht mehr.

Zum Gespräch erscheint Anselm Franz zu spät. Er entschuldigt sich ein paarmal, er sei mit dem Auto im Stau stecken geblieben. Mit einem seiner Velotaxis wäre ihm das nicht passiert, denn die dürfen auch auf Bürgersteigen fahren. Der aus Prenzlauer Berg stammende Franz besitzt eine der erfolgreichsten Berliner Erfindungen: das Velotaxi. Es sind jene fahrradähnlichen Rikschas, die Touristen zum Roten Rathaus, zu Angela Merkels Bundeskanzlerinnenbüro, zum Holocaust-Mahnmal oder zurück ins Hotel transportieren. Manche Firmen in Berlin buchen eine Armada von Velotaxis, wenn sie Feste feiern und nicht möchten, dass ihre Gäste mit Alkohol im Blut nach Hause fahren. Der eigentliche Erfinder der Rikschas, Ludger Matuszewski, gehört der Firma mittlerweile nicht mehr an. Das expandierende Unternehmen hat inzwischen 18 Angestellte.

Die Tretfahrzeuge, die mit einem elektrischen Hilfsmotor ausgestattet sind, werden inzwischen in 53 Ländern eingesetzt, in Frankreich und Spanien etwa, aber auch in Neuseeland und Tokio. Sogar die Berliner Verkehrsbetriebe haben schon mal Dutzende Velorikschas geordert, als die U-Bahnen streikten. Die rund 10.000 Euro teuren grünen Taxis werden in Lichtenberg produziert, jedes Jahr zwischen 150 und 250 Stück. Die Fahrer mieten die Rikschas für 5 Euro am Tag und können alle Einnahmen für sich behalten, bis zu 100 Euro am Tag, viel Trinkgeld bekommen sie vor allem dann, wenn sie ihren Kunden Berlins geschichtsträchtige Orte erklären.

Die Firma von Franz verdient an den Touren, weil sie die Oberfläche der Tret-Taxis mit Werbung versieht. "So hat jeder was davon", sagt Franz. Als er seinen gut bezahlten Ingenieursjob bei einem Energieriesen aufgab, um sich künftig den Rikschas zu widmen, hätten alle gesagt: "Der Franz ist durchgeknallt. Der beschäftigt sich jetzt mit Dreirädern." Er lacht, als er davon erzählt, und sagt: "So verrückt sehe ich doch gar nicht aus."

Typologie der Kollegen (2)

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