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Führerschein:Lappen im Lebenslauf

Führerschein weg statt Geldstrafe

Der Führerschein kann im Berufsleben noch immer Vorteile bringen.

(Foto: dpa)

Immer weniger junge Leute machen den Führerschein. Jobcoach Uwe Schnierda beantwortet die Frage: Ist die Fahrerlaubnis bei der Jobsuche von Vorteil?

Uwe Schnierda arbeitet seit 1992 als Trainer, Berater und Autor im norddeutschen Bredenbek. Zusammen mit Christian Püttjer hat er zahlreiche Ratgeber über Bewerbung und Karriere veröffentlicht.

SZ: Immer weniger junge Leute machen den Führerschein. Spielt er heute überhaupt noch eine Rolle im Beruf?

Uwe Schnierda: Diese Frage beschäftigt mich als Bewerbungsberater, aber auch als Vater - mein Sohn macht gerade den Führerschein. Wir leben auf dem Land, da hat sich gar nichts geändert. Der Führerschein ist in ländlichen Regionen ein Muss, wenn man mobil sein will.

Und in den Städten?

Dort rückt das Thema eher in den Hintergrund, viele machen den Führerschein gar nicht oder erst später. In der Beratung frage ich natürlich immer: Was hebt einen Bewerber ab? Was hat er, was andere nicht haben? Gerade bei Berufseinsteigern kann die Fahrerlaubnis ein kleiner, aber nützlicher Pluspunkt sein.

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Egal, in welcher Branche ich mich bewerbe?

Es gibt Jobs, in denen ein Führerschein Voraussetzung ist - etwa im Vertrieb, im Außendienst oder in der Logistik. Überall dort, wo Kontakte zu Kunden gepflegt werden oder manchmal auch am Wochenende gearbeitet wird, spielt der Führerschein eine Rolle. Letztlich kann es jedoch in jedem Betrieb Situationen geben, in denen ein Führerschein von Vorteil ist. Es kommt häufiger vor, dass Firmen einen Dienstwagen haben, mit dem Pakete zur Post gebracht oder Waren abgeliefert werden müssen. Oder jemand muss für einen erkrankten Kollegen einspringen und Fahrdienste übernehmen. Das ist gar nicht so selten und kann beruflich durchaus Chancen bieten.

Der Führerschein gehört also auf jeden Fall in den Lebenslauf?

Viele Bewerber halten das für überholt und lassen ihn weg, nach dem Motto: Das interessiert doch keinen. Aber das stimmt nicht. Gerade weil immer weniger Jugendliche den Führerschein machen, sollten Bewerber diese Zusatzqualifikation im Lebenslauf auch erwähnen. Wo er vorausgesetzt wird, würde ich die Fahrerlaubnis Klasse B schön prägnant direkt zu Beginn des Lebenslaufes unter "Persönliche Daten" nennen, sonst eher unter "Zusatzqualifikationen".

Und was ist, wenn ein Führerschein gefordert wird und ich keinen habe?

Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, Stellenanzeigen sind Wunschbilder. Bewerber werden häufig auch dann eingestellt, wenn sie nur 80 Prozent der Kriterien erfüllen. Der Fachkräftemangel ist in vielen Regionen so groß, dass Arbeitgeber durchaus bereit sind, Kompromisse zu machen. Wenn Sie den Job wirklich haben wollen und es gar nicht anders geht, würde ich in die Offensive gehen und mich bei der Fahrschule anmelden. Schon im Anschreiben könnten Sie direkt darauf eingehen und angeben, wann Sie sich angemeldet haben und wann Sie die Fahrerlaubnis voraussichtlich erhalten. Damit zeigen Sie Einsatz, Lernbereitschaft und Belastbarkeit. Das gilt übrigens auch für Schüler und Studierende, die den Führerschein parallel zu Prüfungen oder Praktika machen. Jeder weiß, wie herausfordernd das ist, es kommt als persönliche Stärke rüber. Darauf darf man in der Bewerbung ruhig hinweisen.

Aber wenn ich den Führerschein nun mal nicht machen will, beispielsweise aus ökologischer Überzeugung?

Dann sollten Bewerber zeigen, dass sie eine Lösung haben. Wer sich für einen Job bei einem Unternehmen interessiert, das vom Wohnort 50 Kilometer entfernt liegt, muss irgendwie dorthin kommen. Meine Tochter bewirbt sich gerade um ein Praktikum, sie hat den Führerschein noch nicht. Deshalb hat sie geschrieben, dass sie die Zugverbindung geprüft hat und den Betrieb problemlos in 30 Minuten erreicht. Bei einer Bewerbung geht es um positive Aufmerksamkeit: Entscheidend ist, dass sich Bewerber Gedanken machen und eine Alternative anbieten. Damit erhöhen sie die Chance, zu einem Vorstellungsgespräch überhaupt eingeladen zu werden.

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