Europäische Union Jeder sollte sich Berufserfahrung bei der EU leisten können

Und zwar unabhängig davon, ob er oder sie es sich leisten könne, Anreise, Unterkunft, Verkehrsmittel, Krankenversicherung und Essen in einer fremden Stadt zu bezahlen, all das verschlingt schnell 1000 Euro im Monat. Während O'Reilly die Praxis des EAD scharf kritisiert, gilt das nicht für andere Ressorts der EU-Kommission: Dort würden Praktikanten in der Regel bezahlt.

Petits Hungerwochen liegen nun schon fast ein Jahr zurück, er ist wieder in seiner Heimatstadt Barcelona. Am Telefon entweicht ihm dennoch ein Freudenschrei, als er hört, wie die Bürgerbeauftragte auf die Missstände reagiert. Er habe nun Hoffnung, dass sich etwas verändert, "dass die EU-Institutionen für unsere Generation und die europäischen Werte eintreten".

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Traineeships machen es Unternehmen leicht, Fachkräfte unter Wert zu bezahlen. Bereiten die Programme wenigstens auf eine tolle Karriere vor?   Von Alexandra Straush

Der EAD hat bereits während der Untersuchung angefangen, die Vergabe der Plätze transparenter zu gestalten und die zu erwartenden Bedingungen deutlicher zu umreißen. Nun will der Dienst den "finanziellen Aspekt" neu bewerten und in künftige Budgetplanungen mit einzubeziehen.

In Brüssel teilt Bryn Watkins Petits Freude, die beiden kennen sich. Watkins ist so etwas wie der Papa aller EU-Praktikanten, der 28-Jährige führte den Streik am Montag vor das Kommissionsgebäude. Wohlwissend, dass es für seine Klientel eigentlich gar kein Streikrecht gibt. Doch er will betonen, dass Praktikanten meist wirklichen Mehrwert für ihre Arbeitgeber schaffen, vor allem die mit Abschluss und Erfahrung. Deshalb sei es auch ein richtiger Arbeitskampf, den sie austragen - und die Aussichten sei gut. Mit Blick auf O'Reillys Bericht sagt er: "Die moralische Auseinandersetzung haben wir bereits gewonnen."

Anders als O'Reilly lässt Watkins aber die anderen EU-Behörden nicht so leicht vom Haken. Er kennt die Zahlen: Die Kommission beschäftigte im vergangenen Sommer 200 unbezahlte Praktikanten - zusätzlich zu den 1300 regulären Stellen, die mit mehr als 1100 Euro vergütet sind. Die Sommerpraktika kämen meist auf Drängen von Interessierten zustande, die keinen regulären Platz bekommen haben. Für Watkins steht aber fest: "Die EU muss alle ihre Praktikanten bezahlen. So einfach ist das."

Dieser Meinung sind auch Abgeordnete im Europäischen Parlament: "Die Ausbeutung von Praktikantinnen und Praktikanten als billige Arbeitskräfte muss ein Ende haben", fordert etwa die Grüne Terry Reintke. In Reden würde stets betont, wie wichtig bessere Jobchancen für Jugendliche seien, doch "scheint das sehr schnell vergessen, wenn es um Praktika im eigenen Haus geht. Das ist beschämend." Sie kritisiert damit auch ihre direkten Kollegen: Laut einer Umfrage ist jeder zehnte Praktikant bei einem Abgeordneten unbezahlt.

Ob Petit, der Ex-Praktikant, nun bald aus der unbezahlten in die bezahlte Arbeitswelt wechseln kann, ist fraglich. Zu einem Job hat seine Erfahrung im Auswärtigen Dienst bisher nicht geführt, "wertvoll" sei sie dennoch gewesen. Trotz ungewolltem Gewichtsverlust.

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