Traineeship Stellenangebot mit zwei Gesichtern

Nach dem Studium knüpfen Berufseinsteiger oft große Erwartungen an Trainee-Programme.

(Foto: Robert Haas)

Traineeships machen es Unternehmen leicht, Fachkräfte unter Wert zu bezahlen. Bereiten die Programme wenigstens auf eine tolle Karriere vor?

Von Alexandra Straush

Eine Berliner Marketing-Agentur sucht Bewerber für ein zwölfmonatiges Traineeship im Bereich "PR und Brandmanagement". Ein Hochschulzeugnis oder eine überdurchschnittlich abgeschlossene Ausbildung sind gewünscht. Geboten wird ein "Traineeprogramm mit steiler Lernkurve", unterstützt durch ein "internationales, cleveres und gut ausgebildetes Team" mit marktüblicher Vergütung und "einer realistischen Chance zur Übernahme".

Steckt hinter dieser Anzeige eine echte Karriere-Option? Vermutlich eher der Versuch einer Mini-Firma, günstig an qualifiziertes Personal zu kommen, schätzt Simone Lasser vom Career Service der Universität Heidelberg. Im Gegensatz zu einer Ausbildung oder einem Praktikum unterliegen Traineeships keinen gesetzlichen Beschränkungen. "Gerade im Mittelstand und in kleinen Unternehmen wird damit viel Missbrauch betrieben", sagt Lasser.

Ganz anders als ihr unsicherer rechtlicher Status ist der Ruf von Trainee-Programmen. Sie gelten als ideale Basis für einen erfolgreichen Einstieg in ein Unternehmen: Teilnehmer durchlaufen dabei verschiedene Abteilungen, können sich unterschiedliche Arbeitsbereiche ansehen, immer unterstützt von einem Vorgesetzten, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht, begleitet durch Fortbildungen und im Idealfall mit Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt.

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Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Trendence im Auftrag der Stellenbörse Absolventa sind von 150 befragten Trainees knapp die Hälfte überzeugt, mit ihrer Entscheidung für die Stelle den ersten Schritt zu einer steilen Karriere getan zu haben. Ein weiteres Drittel hofft das zumindest. Entsprechend liegen Traineehips im Trend. 2016 bewarben sich auf jede Anzeige 30 Anwärter, heißt es bei Absolventa, während es vor einem Jahr noch 20 waren. Gleichzeitig, das zeigt die Umfrage des Personalvermittlers Staufenbiel-Institut unter etwa 300 Firmen, bieten immer mehr potenzielle Arbeitgeber Trainee-Stellen an. Während es 2015 noch 40 Prozent waren, gaben 2016 schon 47 Prozent ein entsprechendes Angebot an.

Dieser Trend sei jedoch mit Vorsicht zu genießen, meint Simone Lasser. Traineeships seien an die Stelle der inzwischen gesetzlich regulierten Praktika getreten. Immer weniger Studenten könnten in ihr straff organisiertes Vorlesungsprogramm längere Praxisphasen integrieren. Und Praktika nach dem Studium werden eher gemieden: In der Absolventenstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover nennen die Befragten Praktika nach dem Studium als keine Erfolg versprechende Strategie bei der Jobsuche. So sind die Trainee-Programme zu einer interessanten Alternative für die Unternehmen geworden, um Absolventen kennenzulernen, sagt Lasser.

Außerdem machen sie es den Unternehmen leicht, Fachkräfte unter Standard zu bezahlen. Denn unter der Voraussetzung, statt einer Arbeitsstelle eine karrierefördernde, weitere Ausbildung anzutreten, sind Bewerber bereit, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen. 15 Prozent weniger als beim Direkteinstieg gilt in der Personalvermittlungsbranche für Traineeships als angemessen. Häufig sind die Abstriche aber größer.