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Doppel-Karrieren und Familie:Vater, Mutter, Kind, Karriere

Notorischer Zeitmangel, verständnislose Vorgesetzte - Paare, die zwei Karrieren und Familie gleichzeitig organisieren, stehen vor vielen Herausforderungen. Dagmar Müller hat erforscht, wie die Kombination trotzdem klappen kann.

Notorischer Zeitmangel, verständnislose Vorgesetzte - Paare, die zwei Karrieren und Familie gleichzeitig organisieren, stehen vor vielen Herausforderungen. Dagmar Müller, Wissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut (DJI), berichtet im DJI-Magazin Impulse über die Ergebnisse des Projekts "Karriereverläufe von Frauen".

Bildungspaket mit Startproblemen

Eine Familie gründen und trotzem zwei Karriere weiterführen - geht das? Dagmar Müller vom Deutschen Jugendinstitut hat das gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlerinnen erforscht.

(Foto: dpa)

Was war das Ziel Ihrer Studie?

Dagmar Müller: Aus der Forschung weiß man, dass es problematisch ist, Beruf und Familie zu vereinbaren, wenn beide Partner hochqualifizierten Tätigkeiten nachgehen. Sie haben ein sehr knappes Zeitbudget zur Verfügung und verbringen auch als Paar wenig Zeit miteinander. Die Fragestellung unserer Studie war, was in den Beziehungen passiert, wie hochqualifizierte Paare die Aufgabenteilung aushandeln.

Gibt es da ein erkennbares Muster?

Müller: Die Paare entwickeln sehr unterschiedliche Strategien. Manchen wird es zu viel, zwei Karrieren und Kinder unter einen Hut zu bringen. Meist steckt dann die Frau für eine Weile beruflich zurück. Das ist zum einen die Reaktion auf die Rahmenbedingungen, hängt aber auch mit dem Beziehungskonzept der Paare zusammen. Wenn die Frau aus dem Beruf aussteigt, liegt das oft auch an der Vorstellung, dass eine enge Mutter-Kind-Beziehung wichtig ist und dass der Vater besser für den Lebensstandard der Familie sorgen kann. Anderen Paaren ist es wichtig, dass beide Karrieren gleichrangig sind. Hier sind dann zum Beispiel beide bereit, sich die Ernährer- und Betreuerrolle zu teilen und phasenweise beruflich zurückzustecken. Wobei bei Führungskräften die zeitliche Arbeitsbelastung immer noch hoch bleibt. Sie arbeiten dann eben 30 oder 40 statt 60 Stunden die Woche.

Welches Familienmodell ist im Alltag am einfachsten zu leben?

Müller: Es wird Eltern nahe gelegt, dass einer zu Hause bleibt. Das liegt an objektiven Gegebenheiten wie den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen und den beruflichen Anforderungen. Alle Eltern, die das nicht machen, haben lebenspraktische Schwierigkeiten. Wie sollen sie es zum Beispiel lösen, wenn beide gleichzeitig auf Dienstreise gehen müssen? Und dann stehen sie auch unter moralischem Druck durch die Erwartungen von außen. Führungskräfte, die ihre Arbeitszeit reduzieren, werden von Vorgesetzten und Kollegen mit Fragen konfrontiert wie "Müssen Sie schon gehen?" oder "Warum waren Sie da nicht anwesend?" Und Mütter, die kurz nach der Geburt wieder an ihrem Arbeitsplatz sind, sehen sich dem "Rabenmutter"-Klischee ausgesetzt.

Wie gehen die Paare damit um, die sich dennoch entscheiden, beide Karrieren zu verfolgen?

Müller: Sie schaffen sich selbst ein förderliches Umfeld. Sie ziehen zum Beispiel in Metropolregionen und in Stadtteile, in denen viele Doppelverdiener-Familien leben. Und sie achten bei der Wahl des Arbeitgebers darauf, dass er etwa flexible Arbeitszeiten anbietet.

Und wie stemmen sie ihren Alltag?

Müller: Die von uns befragten Eltern haben bis zu vier Kinder. Sie haben ein sehr striktes Zeitmanagement. Teils wird Arbeit in die Abendstunden verlegt, wenn die Kinder schlafen. Sie organisieren viel, planen im Voraus, stimmen sogar ihre Blackberrys aufeinander ab. Viele Routineaufgaben werden auch delegiert, zum Beispiel an Putzhilfen, Kinderfrauen und Au-Pairs. Die Eltern äußern auch eine große Stressbelastung. Andererseits sind sie sehr zufrieden mit ihrem Lebensmodell.

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