Diskriminierung am Arbeitsplatz Klageflut außer Kontrolle

Kassiererinnen haben den Konzern verklagt und gaben an, systematischer Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Sie bekämen niedrigere Gehälter und hätten schlechtere Karrierechancen. Da die Klage in Namen aller Frauen bei Wal-Mart zugelassen wurde, ist dieser Fall der größte Diskriminierungsprozess der US-Geschichte. Für das Unternehmen stehen Milliarden auf dem Spiel.

Gerät die Klageflut außer Kontrolle? Juristen beruhigen: "Das System ist besser als sein Ruf", sagt James McCarney von der New Yorker Kanzlei Howrey. Erst vor ein paar Wochen hat er den Einzelhändler Macy's erfolgreich gegen die Klage eines schwarzen Angestellten verteidigt, der die Witze einiger Kollegen rassistisch fand und seinem Arbeitgeber vorwarf, nichts dagegen zu unternehmen.

Einzelne Geschmacklosigkeiten

Doch der Richter ließ sich davon nicht überzeugen. McCarney konnte sich auf Grundsatzurteile des Obersten Gerichtshofs berufen. "Der Supreme Court hat klargestellt, dass vereinzelte Geschmacklosigkeiten nicht ausreichen, um daraus eine systematische Diskriminierung zu konstruieren", sagt er. Das habe die Arbeit der Verteidiger in den vergangenen Jahren erheblich erleichtert.

Doch auch McCarney räumt ein, dass das amerikanische Recht missbrauchsanfällig ist: "Was diese Fälle antreibt, ist vor allem die Honorarberechnung der Anwälte." Viele bieten den Klägern an, die Prozesskosten zu übernehmen, fordern im Gegenzug nur, an der Schadensersatzzahlung oder einer außergerichtlichen Einigung beteiligt zu werden. Eigentlich soll dieses Modell der Chancengleichheit dienen und mittellosen Angestellten eine Klagemöglichkeit eröffnen. In der Praxis führt es jedoch dazu, dass die finanzielle Hemmschwelle sinkt, ein Verfahren mit ungewissem Ausgang einzuleiten.

Teure Bürokratie

Das harte Urteil gegen Novartis dürfte die Vergleichsbereitschaft in den USA jetzt weiter steigern. Für die Unternehmen ist es daher das Beste, das Klagerisiko von Vornherein zu minimieren. Das Ergebnis ist eine teure Bürokratie - mit immer groteskeren Zügen. Große Firmen schicken neue Mitarbeiter inzwischen in Rechtsseminare, in denen ihnen stundenlang die feinen Grenzen zwischen Humor, Ironie und Beleidigungen erläutert werden.