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Berufschancen jenseits der Uni:"Ich habe mich nie als Versager gefühlt"

Daniel Müller halfen auch Gespräche mit Freunden durch diese Zeit des Zweifelns. Er ging in sich und stellte fest, dass er noch andere Interessen hat als Leuten zu helfen. "Ich arbeite viel am PC, schreibe gern und interessiere mich für Kommunikation. Eine Verbindung all dessen, schien mir das Richtige zu sein", sagt er. Jetzt studiert er Wirtschaftskommunikation.

Britt Weidlich nahm das Thema Abbruch gelassen. Die Berlinerin hatte im Französisch-Leistungskurs Feuer gefangen und sich 2012 für Frankreichstudien eingeschrieben. Inhaltlich ging es ihr jedoch zu viel um Recht und Politik. Sie hörte nach zwei Monaten auf und ging nach Kanada, um zu jobben und zu reisen.

Wieder zurück in Deutschland, wollte sie noch immer beruflich etwas mit Sprachen machen und schrieb sich für Skandinavistik ein. "Das Ganze hat Spaß gemacht, war aber sehr theoretisch", sagt die 22-Jährige. Als sie nach einem Jahr noch keine Idee hatte, was sie später mit diesem Studium anfangen sollte, brach sie erneut ab. "Ich habe mich nie als Versager gefühlt", betont sie. Dazu habe auch das große Verständnis ihrer Eltern beigetragen. Nachdem sie zweimal das Studium hingeworfen hatte, war für Weidlich klar, dass sie eine Ausbildung machen wollte.

Im Vorstellungsgespräch offensiv mit dem Abbruch umgehen

"Ein abgebrochenes Studium stellt in den Augen mancher Menschen einen Makel dar. Das lässt sich nicht leugnen", sagt der Münchner Karriereberater Walter Feichtner. Eine gute Ausgangslage als Bewerber besitze, wer relativ früh, etwa nach dem ersten oder zweiten Semester, und aus freien Stücken aufgegeben habe. Eine solche Entscheidung lasse sich überzeugend begründen und mache einen besseren Eindruck, als wenn es sich um eine Zwangsexmatrikulation wegen nicht bestandener Prüfungen handele.

Wichtig sei, nach der Entscheidung rasch einen Ausbildungsplatz zu suchen. Feichtner rät dazu, das an der Hochschule erlangte Wissen und die persönliche Weiterentwicklung durch die Zeit an der Uni in die Bewerbung einzubringen. Wer zum Gespräch eingeladen werde, solle von sich aus erklären, warum er das Studium nicht abgeschlossen habe. "Je offensiver und selbstbewusster man damit umgeht, desto besser", sagt der Karriereberater.

Das bestätigt Britt Weidlich, die heute eine Lehre zur Tourismus-Kauffrau bei TUI macht. Im Bewerbungsgespräch hatte sie ohne Umschweife gesagt, dass ihr die Theorie an der Universität nicht liege, dass sie sich eher als Praktikerin in einem Beruf mit viel Kundenkontakt sehe. "Später teilte mir die Ausbildungsleiterin mit, dass ich gerade durch den offenen Umgang mit dem Thema überzeugt habe", erzählt Weidlich.

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