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Arbeitgeber Kirche:Bei Kirchenaustritt Kündigung

Wenn Religion mehr als Privatsache ist: Nicht nur Pfleger und Erzieher im Dienste der Kirche riskieren ihren Job, wenn sie gegen die christlichen Grundsätze verstoßen.

"Nun sag, wie hast Du's mit der Religion?" In Bewerbungsgesprächen ist diese Gretchenfrage normalerweise verboten. In kirchlichen Einrichtungen gelten aber Sonderregeln für Arbeitnehmer. Denn sie sind - ähnlich wie Parteiorganisationen - sogenannte Tendenzbetriebe. Das sind Betriebe, die nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern eben auch politische oder religiöse. Sie dürfen verlangen, dass ihre Mitarbeiter mit diesen Zielen übereinstimmen.

Katholische Kirche Kruzifix

Wer in einer katholischen Einrichtung arbeitet, muss auch katholisch sein - sonst darf er als Bewerber abgelehnt werden.

(Foto: AP)

Bewerber müssen sich deshalb auch Fragen nach ihrer Konfession gefallen lassen. "Ein katholischer Kindergarten darf verlangen, dass eine Kindergärtnerin katholisch ist", erklärt der Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer aus Stuttgart. Es sei zulässig, Bewerber anderer Konfessionen für eine solche Stelle abzulehnen. Ein Verstoß gegen das gesetzliche Diskriminierungsverbot liege dann nicht vor.

Allerdings gelte das nur für "verkündungsnahe" Tätigkeiten, führt Bauer aus. Das sind solche, die einen direkten Bezug zur kirchlichen Glaubensrichtung haben. Die Arbeit als Erzieherin gehöre dazu: "In einem katholischen Kindergarten soll ja eine katholische Erziehung gewährleistet sein", erläutert Bauer, der Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein ist. Anders sehe es bei der Putzfrau im gleichen Kindergarten aus: Sie muss nicht katholisch sein. Denn sie sei kein "Tendenzträger", der die Werte des Hauses verkörpert. Genau abgrenzen lasse sich das aber nicht: "'Verkündungsnah' ist natürlich ein dehnbarer Begriff."

Kindergärtner und Sozialarbeiter im Dienst der Kirche haben außerdem weitreichende Loyalitätspflichten: Sie müssen die christlichen Glaubensgrundsätze auch in ihrem Privatleben beachten. Andernfalls droht ihnen die Entlassung. "Ein Kirchenaustritt zum Beispiel ist ein Kündigungsgrund", sagt Prof. Ulrich Hammer, Arbeitsrechtler aus Hildesheim. Er verweist auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz in Mainz (Az.: 7 Sa 250/08). Darin erklärten die Richter es für zulässig, dass ein kirchliches Altenheim eine Pflegerin entlassen darf, wenn sie aus der Kirche austritt.

Dies stehe weder im Widerspruch zur Glaubensfreiheit, noch verstoße es gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Die Kirchen hätten vielmehr das Recht, von Mitarbeitern "ein loyales und aufrichtiges Verhalten" im Sinne ihres eigenen Selbstverständnisses zu verlangen.

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