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Medikamente:Wenn Schmerzmittel Kopfschmerzen verursachen

Eine junge Frau fasst sich erschöpft an den Kopf.

Wenn Menschen fürchten, wegen ihrer Kopfschmerzen bei der Arbeit nicht bestehen zu können, greifen sie schnell zur Tablette. Das ist gefährlich.

(Foto: Andrzej Wilusz - Fotolia)

Manche Kopfschmerz-Patienten nehmen eine Tablette nach der anderen - und wundern sich, dass nichts mehr hilft. Sie ahnen nicht, dass die Pillen selbst zur Schmerzursache geworden sind.

Der Schädel hämmert dumpf. Der Magen möchte sich entleeren. Licht und Lärm feuern den Schmerz noch an. Die Qual einer Migräneattacke kann nur ein Schmerzmittel rasch beenden. Solange das Medikament hin und wieder eingenommen wird - kein Problem. Wird der Griff zur Schmerztablette jedoch zur Gewohnheit, erzeugt diese irgendwann selbst den Schmerz.

Rund ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland leidet unter Dauerkopfschmerzen. Bei mindestens der Hälfte von ihnen sind Tabletten die Ursache; Ärzte sprechen von medikamenteninduziertem Kopfschmerz.

Er droht all jenen, die ein Vierteljahr lang an mindestens 10 bis 15 Tagen pro Monat Kopfschmerztabletten einnehmen. Bei Einnahme einzelner Präparate wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen liegt die kritische Grenze bei 15 Tagen, bei Kombinationspräparaten oder dem Wechsel zwischen verschiedenen Tabletten ist die rote Linie schon nach zehn Tagen erreicht. "Am besten sollte man generell an höchstens zehn Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen", sagt Stefanie Förderreuther, Neurologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

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Bei vielen Betroffenen entwickelt sich der Medikamentenkopfschmerz über viele Jahre, erläutert Förderreuther: "Es beginnt mit ein bis zwei Migräneattacken im Monat. Kommen diese in Zeiten von Stress und Anspannung öfter vor, häuft sich der Tablettenverbrauch. Zehn Tage im Monat sind dann schnell überschritten."

Manche schlucken auch aus Angst vor der nächsten Attacke Tabletten. Ohne Pillen, so fürchten sie, könnten sie den Erwartungen in Job und Familie nicht gerecht werden. Da die gängigsten Schmerzmittel ohne Rezept in der Apotheke verkauft werden, halten viele Menschen sie für harmlos. Auf Beipackzetteln wird zwar auf die Gefahr von Dauerkopfschmerzen bei zu häufiger Einnahme hingewiesen. Aber wer liest die schon? Die meisten Patienten erahnen den Zusammenhang zwischen ihrem Leid und den Tabletten nicht.

Nicht selten hören Mediziner dann von ihnen: "Ich kann nehmen, was ich will. Nichts hilft mehr." Stattdessen werden die Kopfschmerzen immer schlimmer und häufiger. Hinzu kommen manchmal Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Angst, Unruhe, Schwindel und teilweise auch Fieber. Der Griff zur nächsten Tablette mindert vorübergehend die Qual - und macht sie auf lange Sicht heftiger.

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