Hautkrebs Theoretisch bieten Sonnencremes guten Schutz. Aber kaum jemand benutzt sie richtig

Wichtig bleibt derweil aber die Vorsorge, auch wenn die Sonne Daheimgebliebene derzeit nicht gerade mit ihrer Kraft beeindruckt. Aber selbst im wetterunbeständigen Deutschland warnen Experten umso beständiger davor, natürliches UV-Licht zu unterschätzen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat sogar einen kleinen Zeichentrickfilm veröffentlicht, der zu einem besonders achtsamen Umgang mit der Sonne aufruft, selbst dann, wenn der sogenannte UV-Index nur drei auf der nach oben offenen Skala erreicht. Ab drei wird Sonnenschutz empfohlen. Derzeit liegen die Werte in Deutschland trotz der häufigen Bewölkung immerhin zwischen fünf und sieben. An einem Hochsommertag steigt der Wert meist auf etwa acht, hier raten Strahlenexperten bereits davon ab, sich überhaupt in die Sonne zu begeben. Und wenn, dann bitte nur geschützt.

Was aber verstehen Fachleute unter "Schutz"? Die am seltensten befolgte Regel dürfte jene sein, es in der Mittagszeit allen Südeuropäern gleichzutun und sich bis zum Abklingen der Strahlung am späten Nachmittag nicht bloß in den Schatten, sondern ins Haus zurückzuziehen. Der Kern des besten Schutzes heißt also Vermeidung. Auf dem zweiten Platz folgen lange Kleidung, Hüte und Sonnenbrillen. Auch hier gibt es Vorbilder aus südlichen Gefilden, die gerade in der prallen Sonne möglichst wenig Haut unbedeckt lassen. Experten nennen zum Beispiel die Tuareg, die sich nicht grundlos in üppige Gewänder hüllen und ihre Köpfe bedecken.

Tatsächlich stehen Sonnencremes erst an letzter Stelle. Fast selbstverständlich sind sie heute mit Lichtschutzfaktoren von bis zu 50+ erhältlich und suggerieren den Verbrauchern, einmal eingeschmiert seien unbegrenzte Aufenthalte in der prallen Sonne möglich. Rein theoretisch ist das auch so. Studien haben aber schon mehrmals gezeigt, dass die Wirksamkeit der Cremes, Sprays und Gele in der Praxis untergraben wird. Menschen cremen den Körper zu spät, zu selten und oft nicht vollständig ein, vergessen Ohren oder Scheitel. Schuld daran ist, wie so oft, die fehlende Information über die Funktionsweise und Haltbarkeit der Mittel. Einmal ins Wasser, einmal abgetrocknet, schon verdient der Sonnenschutz seinen Namen nicht mehr.

Hautärzte scheinen an diesen Wissenslücken einen Anteil zu haben. Wie Forscher aus den USA kürzlich darlegten, klären zumindest die Dermatologen in den Vereinigten Staaten ihre Patienten nicht ausreichend über die Notwendigkeit und die korrekte Anwendung von Sonnenschutzmitteln auf. Wie es in deutschen Hautarztpraxen aussieht, ist nicht bekannt, doch letztlich scheint die beste Strategie noch immer jene zu sein, die man aus dem Urlaub kennt: Mittags erst mal Siesta halten. Die Haut sagt Danke.