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Gesundheit - Vechta:Impfbus für Menschen in Gemeinschaftsunterkünften unterwegs

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Vechta (dpa/lni) - Per Impfbus versucht der Landkreis Vechta, Menschen in Gemeinschaftsunterkünften für eine Corona-Impfung zu gewinnen. Es gehe um Flüchtlingswohnheime und Obdachlosenunterkünfte ebenso wie um Arbeiterunterkünfte, sagte der Erste Kreisrat des Landkreises, Hartmut Heinen, am Samstag. In einem Flüchtlingswohnheim in Vechta, eine der Stationen des Impfbusses, seien 33 von 62 Bewohnern impfberechtigt; 19 wollten sich impfen lassen. "Wir können im ersten Moment zufrieden sein" - angesichts der kurzen Zeit, die für Überzeugungsarbeit zur Verfügung stand. Die Grünen forderten unterdessen einen besseren Infektionsschutz in den Einrichtungen.

Da Menschen in Gemeinschaftsunterkünften auf engem Raum zusammen leben, haben sie ein erhöhtes Infektionsrisiko. Um die Einrichtungen auszuwählen und die Menschen angemessen anzusprechen, arbeitet die Kreisverwaltung Vechta mit den Städten, den Gemeinden und dem Caritas-Sozialwerk zusammen. Die Kreisverwaltung rechnet damit, dass der Impfbus zwei bis drei Wochen im Einsatz sein wird.

Für die Aktion stehen 1000 Impfdosen bereit. Am Samstag sollten rund 90 Frauen und Männer geimpft werden. Das Team verwendet den Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson, der nur einmal gespritzt werden muss. Bei den Menschen in Gemeinschaftsunterkünften sehe es bislang teils nicht gut aus mit der Impfbereitschaft, meinte Heinen. Daher seien schon in der Woche vorher viele Menschen angesprochen und in ihrer Muttersprache über die Notwendigkeit einer Impfung, die eingesetzten Impfstoffe und mögliche Impfreaktionen informiert worden.

Die Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf forderte ebenfalls, über die Corona-Schutzimpfung verstärkt in verschiedenen Sprachen zu informieren. "Es kann in diesen Tagen gar nicht genug informiert, aufgeklärt, getestet und geimpft werden", sagte die SPD-Politikerin der "Nordwest-Zeitung". "Aber gerade was das vielsprachige Informationsangebot zum Thema Impfen angeht, ist noch viel Luft nach oben", bemerkte sie. "Da hinken wir in Niedersachsen zeitlich schon hinterher." Schröder-Köpf betonte: Wenn die Inzidenzwerte in sozial benachteiligten Wohngegenden durch Testen und Impfen reduziert würden, profitiere die gesamte Bevölkerung.

Heinen erklärte, die Impfaktion in Vechta sei ein Pilotprojekt, um Erfahrungen zu sammeln. Im ersten Schritt hätten nur Einrichtungen mit höchstens 50 Bewohnern erfasst werden können, damit der Impfstoff reiche. Der Landkreis Vechta hatte am Samstag mit 168,1 die landesweit zweithöchste Inzidenz. Der Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Wegen der hohen Inzidenz gilt zwischen 22.00 Uhr und 5.00 Uhr eine Ausgangssperre.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten derweil, den Infektionsschutz in Einrichtungen der Landesaufnahmebehörde zu verbessern. Die Unterbringung müsse entzerrt und mehr Platz - auch mittels dezentraler Unterbringung - geschaffen werden, sagte die migrationspolitische Sprecherin Susanne Menge. Sie attestierte dem Infektionsschutzkonzept der Landesregierung Mängel: "Dass seit Beginn der Pandemie allein am Standort Bramsche-Hesepe 103 Personen positiv getestet wurden, zeigt, dass das Infektionsschutzkonzept so nicht funktioniert und Schutzbedürftige und Personal gefährdet."

© dpa-infocom, dpa:210507-99-510940/5

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