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Gesundheit - Erfurt:Zahl der Infektionen steigt: Land weitet Soforthilfen aus

Corona
Aufnahme einer Atemschutzmaske vom Typ FFP3. Foto: Friso Gentsch/dpa (Foto: dpa)

Greiz/Erfurt (dpa/th) - Angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie hat Thüringen den Zugang zu Soforthilfen für Firmen in Not nochmals erweitert. Nach den Gartenbaubetrieben können jetzt auch gemeinnützige Vereine, Unternehmen und Stiftungen aus den Bereichen Soziales, Jugend, Bildung, Sport, Kunst, Kultur und Medien die Einmalzahlungen beantragen, wie Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Mittwoch in Erfurt mitteilte. Sie sollen dann fließen, wenn Unternehmen oder Vereinen durch die Folgen der Corona-Pandemie eine wirtschaftliche Schieflage droht.

Unterdessen hat der Kreis Greiz - ein Corona-Brennpunkt in Thüringen - ein weiteres Todesopfer gemeldet. In der Nacht zu Mittwoch sei eine 78 Jahre alte Covid-19-Patientin gestorben, teilte das Landratsamt mit. Damit ist die Zahl der Corona-Toten landesweit auf acht gestiegen - allein vier davon stammen aus dem Kreis Greiz.

Auch das Landratsamt des Landkreis Sonneberg gab am Mittwoch auf seiner Website bekannt, dass dort erstmals ein nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus Infizierter gestorben sei. Der Mann sei Anfang 60 gewesen und habe in Steinach gelebt. Am Montagabend habe er unter grippalen Beschwerden und Atemnot gelitten und sei wenig später in der Praxis seines Hausarztes im Beisein des hinzugerufenen Notarztes und Rettungsdienstes gestorben. Das Ergebnis des nach dem Tod des Mannes durchgeführten Coronavirus-Tests habe dem Gesundheitsamt am Mittwoch schließlich vorgelegen.

Insgesamt gab es innerhalb eines Tages zuletzt 59 neue Corona-Fälle im Freistaat, wie die Staatskanzlei informierte. Damit stieg die Zahl der nachweislich Infizierten bis Mittwoch 10.00 Uhr auf 864; 16 davon hatten einen schweren Krankheitsverlauf. Rund 320 Menschen gelten nach einer groben Schätzung inzwischen als genesen.

Das hält Thüringen jedoch nicht davon ab, anderen Ländern zu helfen, die noch stärker von der Pandemie betroffen sind. So machte sich ein vierköpfiges Team aus Ärzten und Pflegenden der Uniklinik Jena vom Erfurter Flughafen aus auf den Weg nach Italien, wie die Staatskanzlei twitterte. Die Mediziner sollten nach Neapel gebracht werden, berichtete der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt. Über die Pläne war bereits in der vergangenen Woche informiert worden.

Die neuerliche Ausweitung der Soforthilfen soll nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Solo-Selbstständigen sowie Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten über die derzeitigen Einschränkungen helfen, mit denen die Infektionsgefahr eingedämmt werden soll. Profitieren könnten von der Entscheidung den Angaben nach Bildungsträger, Museen, Sportvereine, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Theater und Orchester, Pflegedienste oder Behindertenwerkstätten. Anträge seien von der kommenden Woche an bei der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung zu stellen. Die Höhe der Hilfen richtet sich nach der Beschäftigtenzahl.

Hilfe erwartet auch das Thüringer Verkehrsgewerbe - und zwar von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Durch den derzeitigen Einbruch der Wirtschaft gebe es ein hohes Angebot an Laderaum, erklärte Hauptgeschäftsführer Martin Kammer. "Das führt dazu, dass ruinöse Frachtpreise im innerdeutschen Güterverkehr angeboten werden." Vor allem Speditionen aus Osteuropa stellten billigen Laderaum zur Verfügung. Es gehe um das Überleben klein- und mittelständiger Fuhrunternehmen, betonte Kammer in einem Brief an Scheuer, in dem die Branche Schutz vor Billigkonkurrenz fordert.

Der Thüringer Literaturrat hat sich derweil dafür ausgesprochen, Buchhandlungen und Bibliotheken von Schließungen zur Corona-Bekämpfung auszunehmen und diese wieder zu öffnen. "Buchhandlungen und Bibliotheken sind Grundversorger", teilte der Vereinsvorsitzende Christoph Schmitz-Scholemann mit. Tabakgeschäfte, nicht aber Bibliotheken und Buchhandlungen als Grundversorger zu betrachten, verkenne ein wichtiges Gebot der Stunde. "Der Erhalt der geistigen Gesundheit unseres Landes ist in der Corona-Krise unverzichtbar", sagte Schmitz-Scholemann.

In der Thüringer Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus werden Zeitungs- und Tabakwarengeschäfte unter den Ausnahmen von Geschäften gelistet, die geöffnet bleiben dürfen.

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