Erkältung im Anmarsch Kneipp-Kur

Vor ungefähr 150 Jahren erkrankte der bayerische Priester Sebastian Kneipp an Tuberkulose. Nachdem er mehrfach kurz in der eiskalten Donau gebadet hatte, wurde er wieder gesund. Überzeugt von der heilenden Wirkung des Wassers, therapierte Kneipp in den Jahren darauf etliche Personen mit Wechselduschen oder Wassertreten.

So wunderheilerisch die Geschichte klingt, noch immer schwören viele Menschen auf die nach ihm benannten Kneipp-Kuren. Die Wasseranwendungen sollen die Abwehrkräfte stärken und Erkältungen vorbeugen. Wirklich aussagekräftige Studien, die diesen Effekt belegen, gibt es jedoch kaum.

Wissenschaftler der medizinischen Hochschule Hannover untersuchten 1990, wie Wechselduschen die Häufigkeit von Erkältungskrankheiten beeinflussen. 25 Probanden führten über die Dauer eines halben Jahres mehrmals pro Woche Wechselduschen durch, während weitere 25 Probanden keine Kneipp-Kur anwendeten. In diesem Zeitraum traten in der Kneipp-Gruppe deutlich weniger Erkältungen auf als in der Kontrollgruppe. Auch bezogen auf Erkältungsdauer und -schwere konnten die Forscher einen leichten Nutzen der Wechselduschen feststellen.

Bei Kindern konnte dieser Effekt jedoch nicht bestätigt bestätigt werden. Für eine Studie der Humboldt-Universität Berlin wurden 146 Kinder entweder nur mit einer täglichen Salzwasser-Inhalation therapiert oder zusätzlich mit Wechselduschen. Unterschiede in der Häufigkeit oder Dauer von Erkältungen gab es nicht.

Eine Doktorarbeit der Universität Ulm untersuchte 2003 allgemeine Studien zur Kneipp-Therapie - von 98 Arbeiten erfüllten aber gerade mal sechs die wissenschaftlichen Standards. Das ernüchternde Resultat: "Die wenigen verbliebenen Studien mit den beschriebenen Ergebnissen reichen nicht aus, den Aspekt der Wirksamkeit kneippscher Hydrotherapie abschließend zu klären."