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Neues Coronavirus:Frankreich bestätigt drei Infektionen

  • In China steigt die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, weiter.
  • Die chinesischen Behörden melden mittlerweile mehr als 40 Tote und etwa 1300 Infizierte.
  • Frankreich hat als erstes europäisches Land drei Infektionen bestätigt - auch in Australien gibt es den ersten Fall.

Frankreich hat drei Fälle einer Infektion mit dem neuen Coronavirus aus China bestätigt. Es sind die ersten bekannten Fälle in Europa. Das teilte das französische Gesundheitsministerium am Freitagabend mit. Es sei wahrscheinlich, dass es noch weitere Erkrankte gebe. Ein Fall trat demnach in Bordeaux auf, die anderen beiden Lungenerkrankungen wurden in Paris diagnostiziert. Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn.

Der Patient in Bordeaux sei 48 Jahre alt und vor zwei Tagen von einer Reise aus China zurückgelehrt, die auch einen Aufenthalt in Wuhan umfasst habe, sagte Buzyn. "Er liegt auf einem Isolierzimmer, um jeglichen Kontakt mit der Außenwelt zu verhindern. Es geht ihm gut."

Auch in Australien gibt es einen bestätigten Fall. Der Erreger sei bei einem Mann nachgewiesen worden, der vergangene Woche aus China nach Australien eingereist und zuvor in Wuhan gewesen sei, sagte Gesundheitsministerin Jenny Mikakos. In den USA ist das Coronavirus bei einem zweiten Patienten bestätigt. Die Erkrankung sei in Chicago bei einem Reisenden aus Wuhan festgestellt worden, erklärt das Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC). Insgesamt würden derzeit 62 Verdachtsfälle in 22 Bundesstaaten geprüft. Auch in Seattle wurde eine Erkrankung gemeldet.

Corona-Virus in China

In der Stadt Wuhan stampft China ein Krankenhaus mit 1000 Betten buchstäblich aus dem Boden.

(Foto: dpa)

Die Zahl der Infektionen in China ist inzwischen auf fast 1300 gestiegen. Mehr als 40 Personen sind bereits an der Krankheit gestorben, die meisten litten bereits an Vorerkrankungen. Aus Angst vor einer Verbreitung der neuartigen Lungenkrankheit in China sind inzwischen mindestens 56 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Mit den drastischen Maßnahmen ist nun bereits in mindestens zwölf Städten der schwer betroffenen Provinz Hubei die Bewegungsfreiheit der Bewohner stark eingeschränkt. Als Erstes waren in der Provinzhauptstadt Wuhan der Bus- und Bahnverkehr, die Flüge und Züge gestoppt worden. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen. Auch in den Metropolen Yichang (vier Millionen Einwohner) und Tianmen (1,7 Millionen) wurden am Freitag der öffentliche Nahverkehr, Fernbusse, Fähren und Züge gestoppt, wie die Behörden mitteilten.

Die Verwaltung von Wuhan kündigte zudem den Bau einer Spezialklinik mit Platz für 1000 Betten an. Sie soll demnach einer Einrichtung nachempfunden werden, die Peking zur Zeit der Sars-Pandemie errichten ließ. Das neue Krankenhaus werde auf einem 25 000 Quadratmeter umfassenden Grundstück entstehen und solle am 3. Februar fertiggestellt sein, hieß es.

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) ist es noch zu früh, um einzuschätzen, ob die Absperrung einer Stadt wie Wuhan entscheidend dazu beitrage, den Ausbruch einzudämmen. Solange das Übertragungsmuster im Detail weiter unklar sei, sei es sehr schwierig, die potenziell positiven Auswirkungen abzuschätzen, teilte ECDC der Deutschen Presse-Agentur mit. Es sei jedenfalls ratsam, das allgemeine Risiko für akute Infektionen der Atemwege zu begrenzen. Dies schließe auch mit ein, den Kontakt mit Menschen zu beschränken, die möglicherweise infiziert seien. Bewegungseinschränkungen seien ein möglicher Ansatz bei dem Versuch, eine weitere Ausbreitung des Virus zu vermeiden.

Disneyland in Shanghai geschlossen

Völlig neu ist Chinas Schritt nach Angaben der Behörde nicht: In geringerem Umfang und an kleineren Orten als Wuhan habe China in der Vergangenheit ähnliche Ansätze verfolgt, um beispielsweise einen Pestausbruch einzudämmen. Die auf einen neuartigen Coronavirus zurückgehende Infektionswelle überschattet das chinesische Neujahrsfest (Frühlingsfest), das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird. Allerdings steht das öffentliche Leben zum wichtigsten chinesischen Familienfest ohnehin weitgehend still. In Fabriken und Büros wird nicht gearbeitet. Die meisten Geschäfte haben geschlossen. Studenten und Schüler haben frei.

Zu dem zweiwöchigen Fest sind Hunderte Millionen Chinesen in ihre Heimatorte gereist - was die Sorge vor einer Ausbreitung des Virus noch verstärkte. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, Mundschutz zu tragen und andere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Aus Angst vor dem Virus schloss auch Disneyland in Shanghai vorübergehend.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah bisher keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. Sie empfiehlt auch keine Reise- oder Handelsbeschränkungen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Donnerstagabend, der Ausbruch werde aber extrem ernst genommen. "Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden."

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dazu, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als "moderat" eingeschätzt.

© SZ.de/dpa/ap/bloom/rtr/mxm/saul/cat/jsa
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