Corona-Folgen:Wie erging es den Kleinkindern in der Pandemie?

Corona-Folgen: Forscher haben untersucht, wie es Kindern in der Pandemie ging.

Forscher haben untersucht, wie es Kindern in der Pandemie ging.

(Foto: Cavan Images / Kelsey Smith/mauritius images / Cavan Images)

Auch auf die Jüngsten haben die Lockdowns Auswirkungen gehabt. Allerdings offenbar nicht nur negative, zeigt eine Studie aus Kanada.

Von Vera Schroeder

Pandemieerinnerungen sind für viele Familien mit kleinen Kindern bittersüße und gleichzeitig tief sitzende Stiche. Vereint sich in ihnen doch oft das Gefühl von purem Glück - und unerträglicher Belastung. Und während sich darüber diskutieren lässt, ob die schönen Aspekte der durch Lockdowns unfreiwillig gewonnenen intensiven Familienzeit ein reines Privileg der Bessergestellten war, ist auch die Frage danach, wie es eigentlich den Kleinkindern selbst damit ging, bisher weitgehend unbeantwortet.

Eine große Studie aus Kanada, die vergangene Woche in der Fachzeitschrift Jama erschienen ist, hat sich genau diesem Thema nun gewidmet: Wie erging es kleinen Kindern in der Pandemie - und welche Auswirkungen hatte die außergewöhnliche Situation auf ihre kognitiven und die sozialen Fähigkeiten? Die Ergebnisse der Untersuchung sind vor allem deshalb interessant, weil die Studie mit großen Datensätzen hantiert, die vor und während der Pandemie gewonnen werden konnten.

Höhere Fähigkeiten zur Problemlösung sowie eine gesteigerte Feinmotorik

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verwendeten Daten aus der fortlaufenden "Ontario Birth Study". Hierfür werden Daten von schwangeren Frauen aufgenommen, die zur Schwangerenvorsorge ins Mount Sinai Hospital in Toronto kamen.

Die Entwicklung der Kinder wurde über Befragungen, aber auch eigene Beobachtungen der Forschenden zwischen 2018 und 2022 dokumentiert. So ergab sich ein Datensatz von insgesamt mehr als 1400 Mutter-Kind-Gespannen, der es den Forschenden ermöglichte, Verhalten und die Entwicklung von Zweijährigen und von Viereinhalbjährigen mit den Bedingungen vor und während der Pandemie zu vergleichen.

Das Ergebnis: Im Alter von zwei Jahren wiesen Kinder, die während der Pandemie untersucht wurden, signifikant höhere Fähigkeiten zur Problemlösung sowie eine gesteigerte Feinmotorik auf - dafür aber geringere soziale Fähigkeiten im Vergleich zu Zweijährigen vor der Pandemie. Im Alter von 4,5 Jahren verfügten Kinder während der Pandemie im Vergleich zu den vor der Pandemie untersuchten Viereinhalbjährigen über einen signifikant höheren Wortschatz. Auch ihr visuelles Gedächtnis war besser, ebenso ihre allgemeine kognitive Entwicklung, was zum Beispiel mit Spielen wie Memory getestet wurde. Bei den sozialen Fähigkeiten ließ sich hingegen in dieser Altersgruppe kein Unterschied feststellen.

Zur Diskussion stellen die Autorinnen und Autoren die Gründe für diese Entwicklung. Nahe liegt die These, dass den Kindern mehr Zeit und Aufmerksamkeit in ihren Kernfamilien geholfen hat, ihre kognitive Entwicklung zu steigern. Ihr Leben in der Außenwelt aber war reduziert, weshalb die Entwicklung sozialer Fähigkeiten zumindest bei den Kleinsten schwächer ausfallen könnte. Gleichzeitig weisen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst darauf hin, dass die Studienteilnehmenden, die sie gewinnen konnten, insgesamt aus sozioökonomisch überdurchschnittlichen Verhältnissen stammen.

Damit kann die Untersuchung eine Frage nicht beantworten: Waren positive Lockdownerfahrungen ein Privileg der Bessergestellten? Oder konnten auch Menschen profitieren, die unter ökonomisch schwierigeren Bedingungen mit der Ausnahmesituation klarkommen mussten? Eine mögliche Antwort könnte sein: Wenn Eltern süße und besondere Momente unter Pandemiebedingungen sammeln konnten, stecken diese nun ziemlich sicher auch in den Herzen und Fähigkeiten ihrer Kinder.

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