bedeckt München 28°

Sars-CoV-2:Schwächt die Delta-Variante den Impfschutz?

Corona in Deutschland: Corona-Impfzentrum in Leipzig

Menschen warten in Leipzig auf ihre Impfung gegen das Coronavirus.

(Foto: Jens Schlüter/Getty Images)

Nachrichten über verminderte Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe beunruhigen. Doch vor schwerster Erkrankung schützen die Präparate - zwar nicht perfekt, aber sehr zuverlässig.

Von Hanno Charisius

Mit jeder neuen Variante der Coronaviren kommt die bange Frage auf: Hält der Impfschutz? Bislang lautet die Antwort immer: ja. Allerdings schützen die Impfstoffe auf dem Markt unterschiedlich gut vor den verschiedenen Mutanten. Es braucht jedoch mehr Zeit, um halbwegs zuverlässig abschätzen zu können, bei wem welches Vakzin gegen welche Variante wie gut wirkt.

Überall auf der Welt gehen Forscherinnen und Forscher diesen Fragen nach und liefern teils sehr unterschiedliche und immer vorläufige Antworten. Aus Schottland kam Mitte Juni die Meldung, dass das Vakzin von Biontech/Pfizer 80 Prozent der Infektionen mit der Delta-Variante verhindert, das Vakzin von Astra Zeneca verhinderte nur 60 Prozent der Infektionen. Der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen war für beide Präparate jedoch weitaus höher, die Fallzahlen seien jedoch zu klein, um Unterschiede zwischen den Impfstoffen zu erkennen, schreiben die Forscher. Das Team betont, dass solche Daten jedoch "mit Vorsicht interpretiert werden müssen".

Die gute Nachricht ist: Zweimal impfen schützt zuverlässig davor, schwer zu erkranken

Mitte Juni berechnete Public Health England einen durchschnittlich 80-prozentigen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen mit der Delta-Variante nach zweifacher Impfung, ohne auf mögliche Unterschiede der Impfstoffe einzugehen. Der Schutz vor einer notwendigen Behandlung im Krankenhaus wegen Delta wurde von der Behörde auf 94 Prozent beziffert.

Das Robert-Koch-Institut wiederum gibt den Schutz von mRNA-Impfstoffen wie dem von Biontech/Pfizer gegen symptomatische Infektionen mit Delta mit 88 Prozent an. Die Schutzwirkung des Impfstoffs von Astra Zeneca liege hingegen bei 60 Prozent. Vor schweren Krankheitsverläufen, die eine Behandlung im Krankenhaus notwendig machen, schützen die beiden Impfstofftypen laut RKI-Angaben weit besser. Die Schutzwirkung für Biontech/Pfizer liege bei 96 Prozent, die des Präparats von Astra Zeneca bei 92 Prozent - jeweils nach vollständiger Impfung mit zwei Dosen, wie das RKI betont. Die einfache Impfung ist weit weniger wirkungsvoll.

Am Montag wurden in Medienberichten schließlich Zahlen aus Israel bekannt, die gut zum bisherigen Kenntnisstand passen. Demnach verhindert das Vakzin von Biontech/Pfizer 93 Prozent der schweren Krankheitsverläufe aber nur 64 Prozent der Infektionen mit der Delta-Variante. Im März, als die Delta-Variante noch längst nicht das dominierende Virus in Israel war, wurde der Schutz vor einer Infektion durch dieses Vakzin dort auf 91 Prozent geschätzt, der Schutz vor schwerer Krankheit lag noch etwas höher bei 98 Prozent.

Sollten sich diese Zahlen auch in anderen Ländern bestätigen, wäre das eine gemischte Nachricht. Einerseits erkranken sehr wenige Menschen schwer, falls sie sich trotz Impfung infizieren. Andererseits stecken sich mehr Geimpfte mit dieser Virus-Variante an als mit anderen Mutanten. Das erschwert die Bemühungen, die Pandemie zu bremsen.

Wie stark das Virus von Geimpften tatsächlich weiter verbreitet wird, ist noch unklar. Daten aus Indien deuten allerdings bereits darauf hin, dass auch zweifach Geimpfte das Virus in gefährlichen Mengen produzieren können. Eine Studie unter medizinischen Mitarbeitern, die mit dem Vakzin von Astra Zeneca geimpft worden waren, stieß auf Infektionscluster um einzelne Personen, deren Impfschutz versagt hatte.

© SZ
Zur SZ-Startseite
Coronavirus: Covid-Impfung in London

SZ PlusDelta-Variante
:Die Gefahr für Geimpfte ist niedriger, aber nicht null

Fast die Hälfte der Covid-19-Toten, die sich in England mit der Delta-Variante infiziert hatten, war bereits doppelt geimpft. Was das über die Wirksamkeit der Vakzine sagt - und warum das trotzdem kein Grund zur Panik ist.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB