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Antibabypille:"Insgesamt wird mit der Pille wohl sogar mehr Krebs verhindert"

"Es gibt keinen Grund für eine Panikreaktion, Frauen müssen jetzt nicht die Pille absetzen", sagt Mahner. "Aber sie sollten eben auch regelmäßig mit ihrem Frauenarzt beraten, was in welcher Lebenssituation die passende Verhütung ist. Bei Frauen über 35 kann man auch über die Spirale nachdenken." Die dänische Analyse hatte nämlich auch ergeben, dass bei Frauen unter 35 das Risiko mit Pille nur um zwei zusätzliche Brustkrebsfälle pro 100 000 ansteigt. "Die meisten Frauen, die die Pille nehmen, sind ja unter 35", so Mahner. "Da sind zwei Fälle schon sehr wenig."

Die eine Superpille ohne Risiko gebe es nun mal nicht, so der Frauenarzt. Das zeigten Analysen der Untergruppen, in denen verschiedene Hormonkombinationen, wie sie in den aktuellen Präparaten vorkommen, ausgewertet wurden. Zudem müsste in Betracht gezogen werden, dass die Pille Beeinträchtigungen durch Menstruationsschmerzen oder Erkrankungen wie Endometriose erfolgreich lindert und sogar das Risiko für Tumore wie Eierstockkrebs deutlich reduzieren kann. "Insgesamt wird mit der Pille wohl sogar mehr Krebs verhindert als potenziell ausgelöst", ist Mahner überzeugt. "Aber die Pille ist ein Medikament - das Wirkungen und Nebenwirkungen hat.

Wird sie genommen, sollte es immer eine klare Indikation geben." Risikoforscher Gerd Gigerenzer hatte vor Jahren gezeigt, welche desaströsen Folgen 1995 die Warnung vor der damals neuesten Pillengeneration in Großbritannien hatte. Gesundheitsbehörden verschickten seinerzeit alarmistische Briefe, in denen ein Anstieg des Risikos für Thrombosen um 100 Prozent prognostiziert wurde. Absolut gesehen bedeutete dies, dass statt einer von 7000 Frauen unter der alten Pille bei zwei von 7000 Frauen unter der neuen das Blut zu verklumpen drohte - ein ähnliches Verhältnis wie die 1,3 Krebsfälle pro 10 000 Frauen aktuell.

Trotz des allenfalls marginalen Risikozuwachses setzten Zehntausende Frauen die Pille ab. Es kam in der Folge zu 13 000 zusätzlichen Abtreibungen im Vergleich zu den Jahren zuvor und etlichen ungewollten Schwangerschaften. Beides erhöhte die Wahrscheinlichkeit für Thrombosen weitaus mehr als die Pille.

Oxford-Arzt Hunter fordert in seinem Kommentar denn auch, das nur "wenig erhöhte Risiko für Brustkrebs" gegen die vielen Vorteile der Pille abzuwägen, sowie die Tatsache, dass eine Risikosteigerung für den Tumor auch deshalb so marginal ausfällt, weil "die Häufigkeit von Brustkrebs unter jungen Frauen insgesamt gering" ist. "In der Summe gibt es wenige Verhütungsmittel, die so zuverlässig sind wie die Pille", sagt Frauenarzt Mahner. "Und deren Wirkung zudem auch so schnell wieder reversibel ist."

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