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Kalorienangaben für Alkohol:Fett in Flaschen

Radfahrer trinkt Bier

Wer sich für die Radtour mit Bier belohnt, macht den Effekt der Bewegung wieder zunichte.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Gehaltvoll wie ein Schokoriegel: Bier und Wein liefern dem Körper eine Menge Energie - die nicht selten als Fett endet. Im Kampf gegen das Übergewicht fordern Experten deshalb Kalorienangaben auf alkoholischen Getränken.

Von Felix Hütten

Ein Bier und eine Bratwurst passen gut zusammen. Gerade jetzt, wo die Grillsaison wieder losgeht. Doch leider, die meisten ahnen es, passt die Kombi nur beschränkt zu Bikini oder Badehose. Und daran ist nicht nur die Wurst schuld. Ein halber Liter Pils oder Helles enthält etwa 200 Kilokalorien, also fast so viel wie ein Schokoriegel. Und das ist den allerwenigsten wohl bewusst.

Die britische Gesundheitsexpertin Fiona Sim von der University of Bedshire hat daher jetzt gefordert, auf die Etiketten aller alkoholischen Getränke in der EU Kalorienangaben zu drucken. "Es gibt keinen Grund, warum Kalorien im Alkohol anders behandelt werden sollten als in Nahrungsmitteln", schreibt sie im British Medical Journal.

In einer Umfrage der UK Royal Society for Public Health hatte sich gezeigt, dass 80 Prozent der Befragten völlig ahnungslos sind, was den Nährwert von alkoholischen Getränken betrifft. Den meisten Befragten war nicht einmal klar, dass Alkohol überhaupt Kalorien enthält.

In Deutschland konsumiert jeder Einwohner pro Jahr durchschnittlich zehn Liter reinen Alkohol. Auf den Tag gerechnet entspricht das etwa einem Zehntel der empfohlenen Energiezufuhr. Bei Alkoholikern kann der Anteil auf 50 Prozent und mehr steigen. Denn zwar wird Alkohol oder Ethanol bekanntlich in der Leber abgebaut. Weniger bekannt ist, dass das Endprodukt dieses Abbaus nicht einfach verschwindet. Es wird denselben Kreisläufen des Energiestoffwechsels zugeführt wie Zucker oder Fett.

Dem Körper ist die Quelle seiner Energie eben weitgehend gleichgültig. Ganz im Gegensatz zur Menge: Sobald die Energiegewinnung überlastet ist, nach dem zweiten oder dritten Bier zum Beispiel, schaltet der Stoffwechsel um auf Vorratshaltung. Und wie bei Schokolade oder Chips wandert der Alkohol dann dorthin, wo man ihn nicht haben will: Er wird zu Fett umgesetzt und in den gut sichtbaren Depots an Bauch und Hüfte eingelagert.

Um auf das Thema Alkohol und Übergewicht aufmerksam zu machen, unterstützen EU-Parlamentarier den Vorschlag von Fiona Sim. Fortan solle in der EU auf alkoholischen Getränken "eindeutig" zu lesen sein, wie viele Kalorien denn nun wirklich drin sind in Bier oder Wein. Die geforderten Kalorienangaben seien sinnvoll, sagt die SPD-Abgeordnete Susanne Melior.

Aber ist das wirklich so? Bisherige Erfahrungen mit Lebensmitteln haben kaum Belege dafür geliefert, dass Kalorienangaben überhaupt etwas im Kampf gegen das Übergewicht bewirken. Leichter zu merken wäre wohl, dass maßzuhalten nicht nur in Bezug auf Schokolade oder Chips angezeigt ist.

© SZ vom 06.05.2015/beu

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