Dieter Hildebrandt "Ich blamiere mich doch nicht mit zehn Witzen im Olypiasstadion"

Das Rotweintrinken hat Dieter Hildebrandt aufgegeben.

(Foto: dpa)

SZ: Mit Fortsetzungen ist das so eine Sache, kann das überhaupt was werden?

Hildebrandt: Das Urteil könnte sein: Ans Original reicht es nicht heran. Aber der Film hat mit dem Münchner Flair von damals nichts zu tun. Berlin ist anders, auch der Hauptdarsteller hat ein höheres Tempo als der Franz-Xaver Kroetz, der den Reporter Baby Schimmerlos spielte.

SZ: Damals feierten Sie mit Dietl und Kroetz. Gehen Sie noch aus?

Hildebrandt: Nein, ich geh ned furt, wie der Münchner sagt. Ich habe viel und gerne gute Tropfen getrunken. Das habe ich abgestellt. Ich trete seit einem halben Jahr in meine nüchterne Altersphase ein.

SZ: Und wie ist das so?

Hildebrandt: Ist gut. Ich vermisse ein bisschen was. Es gibt Stunden, das sage ich: Jetzt wäre es schön, ein Glas Rotwein zu trinken. Aber ich bin froh, dass ich davon weggekommen bin.

SZ: Wenn Sie jetzt wieder in die Lach und Schieß nach Schwabing kommen, wie hat sich München verändert?

Hildebrandt: Mei, in Schwabing kann man jedes Jahr abhaken, was wieder verschwunden ist. Die Mieten dort sind derart unterhaltungsfeindlich geworden. Also Schlafing statt Schwabing.

SZ: Früher war also alles besser ...

Hildebrandt: ... jaja, aber im Ernst: Ich glaube, dass dahinter Erbengemeinschaften stecken. Die früheren Hausbesitzer sind alle gestorben, und die Kinder wollen daran verdienen. Sie machen also Wohnungen aus den nicht einträglichen Bierkneipen.

SZ: Auch aus der Lach und Schieß?

Hildebrandt: Das hängt von den Mietpreisen ab. Ich saß einem Rechtsanwalt gegenüber, der die Miete massiv erhöhen wollte. Und der konnte das Wort Geld sehr gut buchstabieren. Nur die Vertreter von Löwenbräu haben uns gerettet. Das Haus gehörte der Brauerei. Aber jetzt gehört es einer Erbengemeinschaft.

SZ: Wie es aussieht, schaffen es zurzeit vor allem Comedians wie Mario Barth, die Menschen zum Lachen zu bringen.

Hildebrandt: Ich glaube, dieser Mensch ist abgrundtief dumm.

SZ: Aber er füllt immerhin das Berliner Olympiastadion.

Hildebrandt: Also, ich geh doch nicht mit zehn Witzen ins Olympiastadion und blamiere mich vor 70000 Menschen.

(Hildebrandts Frau Renate kommt ins Wohnzimmer.)

Renate Hildebrandt: Dieter, der Mario Barth blamiert sich doch nicht.

Dieter Hildebrandt: Natürlich blamiert er sich. Nicht vor den Leuten, die da hingehen. Er blamiert sich vor sich selber.

Renate Hildebrandt: Ich bin kürzlich von München nach Berlin geflogen, da saß ein Pärchen, Mitte 20. Sie hat ihm auswendig nur Witze von Mario Barth erzählt, über eine Stunde, es sprudelte nur so aus ihr heraus.

SZ: Tja, so wie Sie damals den Kästner auswendig konnten, können die jetzt den Barth.

Dieter Hildebrandt: So ist es.

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