Leitwährung Der große Geld-Krieg

Die Schuldenkrisen lähmen die globale Wirtschaft, doch was ist die Leitwährung der Welt? Dollar und Euro sind angezählt - der chinesische Yuan spielt noch nicht die große Rolle, die er gerne hätte. Wahrscheinlich müssen sich alle auf ein gänzlich neues Modell einstellen.

Von Catherine Hoffmann

Schuldenkrise, Rezessionsangst, Währungskampf - das Beben der Weltwirtschaft hat den Goldpreis in Richtung 2000 Dollar katapultiert. Doch der Glanz des Edelmetalls hat eine dunkle Seite: Das Vertrauen ins Papiergeld schwindet. Dollar und Euro verloren auf breiter Front gegenüber den Währungen der Schwellenländer. Der Schweizer Franken ist so stark, dass die eidgenössische Notenbank seinen Höhenflug beenden will. Auch Japans Währungshüter mühen sich, die Rekordjagd des Yen zu stoppen.

Kursverluste des US-Dollars

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Abzulesen ist der Dollar-Verfall denn auch weniger am Euro als am Umtauschkurs in Yen und Franken - oder eben dem Goldpreis. Die Macht des Greenback als Weltwährung ist in Gefahr. Kein Wunder, leben die Vereinigten Staaten doch notorisch über ihre Verhältnisse. Das Land ist der Staatspleite nur entronnen, indem es einfach noch mehr Schulden erlaubt. Die Regierung in Washington schiebt einen Schuldenberg von 14,3 Billionen Dollar vor sich her, weil die USA stets mehr konsumieren, als sie herstellen - auf Kosten ihrer Gläubiger, allen voran Chinas und Japans.

Die Asiaten leihen den USA Geld, damit sie ihre Smartphones und Fernseher kaufen können. Doch der Deal, der einst zum Nutzen beider Seiten war, ist zerbrechlich. Amerika hat in den vergangenen Jahren viel Kredit verspielt - erst der Crash der New Economy, dann die Blase am Immobilienmarkt, schließlich strafte die Ratingagentur Standard & Poor's die USA für ihre Kreditsucht ab und stufte die Bonität herunter. Für die Wirtschaftssupermacht ist das eine gehörige Blamage. Pekinger Kommentatoren wähnen Amerika schon in einer "Phase des Niedergangs", wie jüngst der Ökonom Xia Bin warnte, der das chinesische Kabinett und die Zentralbank berät. China, der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten, zeigt sich besorgt.

Ein sicherer Hafen für die üppigen Devisenreserven ist gar nicht so leicht zu finden. Die nächstliegende Wahl wäre der Euro. Doch die Europäer haben ihre eigenen Probleme. Der Versuch, die Probleme in Griechenland, Irland und Portugal zu bekämpfen, indem man diese Länder zwingt durch Kredite neue Schulden auf alte zu türmen, darf als gescheitert gelten. Zudem lähmt der harte Sparkurs, der den Regierungen auferlegt wurde, jedes Wachstum. Nun droht die Krise auch noch Spanien und Italien zu erfassen.

Das Grundübel des gemeinsamen Währungsraums ist nicht gelöst: Die deutsche Konjunktur kann boomen, während Spanien in die Rezession rutscht. Doch die Euro-Mitglieder haben keine Möglichkeit, darauf mit einer geeigneten Geld- und Währungspolitik zu reagieren. Ihnen bleibt nur die Fiskalpolitik als Mittel oder die Anpassung von Preisen und Löhnen. Das stellt nicht nur die nationalen Regierungen auf eine Zerreißprobe, sondern die Währungsunion als Ganzes.

Die Schuldenkrisen haben das Misstrauen der Anleger geweckt - gegenüber den USA wie gegenüber Europa. Doch ihre Rolle als Reservewährung bleibt davon vorerst unberührt. Die Gewichte der drei führenden Reservewährungen der Welt sind in den vergangenen drei Jahren in etwa gleich geblieben. Der Dollar führt mit einem Anteil von 61 Prozent, wie aus Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervorgeht. Der Euro kommt auf 26 Prozent, der Yen auf vier. Die drei führenden Devisen machen also mehr als 90 Prozent der Weltwährungsreserven aus. Gold, der chinesische Yuan oder der Schweizer Franken spielen unbedeutende Nebenrollen.

Das gilt auch für andere Schauplätze als die Bilanzen der Zentralbanken. Auf den Rohstoffmärkten der Welt werden die Geschäfte in Dollar abgewickelt. Selbstverständlich würde China gern mit seiner eigenen Währung einkaufen gehen - zu günstigeren Konditionen. Doch es muss mit Dollar zahlen. Auch die Finanzmärkte reflektieren die Macht des Dollar. Die Wall Street gibt noch immer den Takt der Weltbörsen vor. Weite Teile der akademischen Eliten und Unternehmenslenker wurden an amerikanischen Universitäten ausgebildet.