Kaminöfen Feuer, Flamme, Feinstaub

Kamin-, Kachel- und Pelletöfen sind sehr beliebt. Für Mensch und Umwelt ist das nicht gut, denn in den Brennkammern der Kaminöfen bilden sich oft schädliche Stoffe.

(Foto: Manfred Neubauer)

Sie bringen gemütliche Wärme ins Haus, erzeugen dabei aber große Mengen an Schadstoffen. Selbst neue Anlagen werden bei falscher Bedienung zur Dreckschleuder.

Von Ralph Diermann

W enn es draußen kalt und klamm ist, gibt es für viele nichts Schöneres als ein prasselndes Kaminfeuer. Allein schon die Vorbereitungen können meditative Wirkung entfalten: das Spalten des Holzes, das Aufschichten der Scheite auf einem Reisighäufchen, dann der spannende Moment, ob alles richtig Feuer fängt. Schließlich das Archaische der lodernden Flammen, das einen in den Bann zieht. Längst ist daraus ein gesellschaftlicher Trend geworden. Kamin-, Kachel- und Pelletöfen sind überaus beliebt - insgesamt 333 000 dieser sogenannten Einzelraumfeuerstätten wurden laut dem Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik e. V. (HKI) 2016 in Deutschland verkauft. Der Verband schätzt, dass hierzulande heute zehn Millionen Anlagen in Betrieb sind. Zwar ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren etwas gesunken, die Hersteller setzen jährlich aber immer noch fast doppelt so viele Kaminöfen ab wie in den Neunzigerjahren.

Eigentlich ein Anachronismus, wo doch Haushalte mit zentralen Gas-, Öl- und Holzpellet-Brennwertkesseln oder Wärmepumpen deutlich effizienter und vor allem komfortabler heizen. Doch das Knacken und Prasseln brennender Holzscheite und die glimmende Glut üben offenbar eine solche Faszination aus, dass sich Millionen Haushalte zusätzlich zur Zentralheizung im Keller einen Kaminofen ins Wohnzimmer oder ins Treppenhaus stellen. "Für die meisten Verbraucher ist entscheidend, dass die Feuerstätten eine gemütliche, angenehme Atmosphäre schaffen und die Immobilie aufwerten", sagt Daniel Jung vom HKI. Zudem helfe der Brennstoff Holz den Haushalten dabei, die Heizkosten niedrig zu halten, wenn die Preise für Öl oder Gas steigen. Nicht zuletzt spiele auch der Klimaschutz für viele Käufer eine Rolle. "Holz ist eine nachwachsende Ressource und annähernd CO₂-neutral", sagt Jung. Bei der Verbrennung der Scheite oder Pellets wird nur so viel des Treibhausgases freigesetzt, wie die Bäume zuvor der Atmosphäre entnommen haben.

Doch was dem Klimaschutz dient, muss nicht zwangsläufig auch der Umwelt gut tun. Denn in den Brennkammern der Kaminöfen bilden sich giftiges Kohlenmonoxid und krebserzeugende organische Kohlenwasserstoffe, kurz PAKs. Zudem entsteht bei der Verbrennung Feinstaub - sehr kleine, für das Auge nicht sichtbare Partikel, die beim Einatmen bis in die Lunge gelangen und dort Atemwegserkrankungen auslösen können. Besonders gefährlich sind dabei die Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern. Sie dringen sehr tief in die Lunge ein, können in die Blutbahn wandern und so das Herz-Kreislauf-System belasten.

Die Holzfeuerungsanlagen emittieren mehr ultrafeine Partikel als alle Pkw und Lkw

Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) emittieren die kleinen Holzfeuerungsanlagen zusammen mehr von diesen ultrafeinen Partikeln als die Motoren sämtlicher Pkws und Lkws, die auf den heimischen Straßen unterwegs sind. Fast zwanzig Prozent der gesamten Emissionen der Kleinstpartikel in Deutschland gehen auf das Konto der Holzfeuerungsanlagen. "Kaminöfen sind aus Umweltsicht aufgrund der hohen Feinstaubemissionen nicht zu empfehlen", resümiert UBA-Experte Christian Liesegang.

Dabei sind es vor allem die Altanlagen, die für die schlechte Umweltbilanz der kleinen Feuerstätten verantwortlich sind. So stoßen Kaminöfen, die vor 1990 gefertigt wurden, laut Liesegang etwa vier Mal mehr Schadstoffe aus als moderne Feuerstätten. Die computergestützte Modellierung der Verbrennungs- und Belüftungsprozesse ermöglicht es den Herstellern heute, emissionsärmere Produkte zu entwerfen. Auch der Einsatz verbesserter Materialien mindert den Schadstoffausstoß; ebenso die mittlerweile in manchen Modellen verwendete Automatisierungstechnik, die eine Fehlbedienung, etwa bei der Belüftung des Brennraums, ausschließen soll. Das bringt einiges für die Umwelt, da die Betriebsweise der Anlage großen Einfluss darauf hat, wie viele Schadstoffe beim Verbrennen von Holz entstehen.

Da Hausbesitzer in der Vergangenheit sehr zögerlich waren, ihre alten Dreckschleudern durch sauberere Anlagen zu ersetzen, hilft der Bund mit sanftem Druck nach. So mussten bis zum 31. Dezember 2017 alle Öfen, die vor 1985 gebaut wurden, stillgelegt werden, sofern sie nicht die Feinstaub- und Kohlenmonoxid-Grenzwerte der Bundesimmissionsschutzverordnung (1. Stufe) einhalten. Produkte der Baujahre 1985 bis 1994 haben bis Ende 2020 Schonfrist. Vier Jahre später sind schließlich die vor 2010 gefertigten Anlagen fällig. Technisch wäre es zwar möglich, die Kaminöfen mit einem Filter nachzurüsten, der den Schadstoffausstoß deutlich verringert. Doch das lohnt nicht, da der Einbau eines Filters mindestens genauso teuer ist wie der Kauf einer neuen Anlage. Historische, vor 1950 installierte Kaminöfen, dürfen dagegen ohne Einschränkung weiter betrieben werden. Auch für Kochherde gilt die Vorgabe nicht.

Noch einen Schritt weiter als der Bund geht die Stadt Stuttgart, die wegen ihrer Tallage besonders stark unter der Schadstoff-Belastung leidet. Dort ist schon heute der Betrieb aller Feuerstätten, die nicht dem neuesten Stand der Technik entsprechen, verboten, sobald in der Stadt Feinstaub-Alarm ausgerufen wird.

Ein neues Prüfverfahren soll viel praxisnäher sein als die derzeit verwendete Methode

Auch wenn neue Kaminöfen deutlich emissionsärmer sind als die alten Modelle, stoßen doch auch sie immer noch nennenswerte Mengen an Feinstaub und anderen Schadstoffen aus. Zwar gelten seit Anfang 2015 strengere Grenzwerte für Neuanlagen. Deren Einhaltung müssen die Hersteller in einem standardisierten Prüfverfahren nachweisen. Dieser Test ist jedoch nur begrenzt aussagekräftig: "Die Emissionen von Kaminöfen sind im realen Betrieb höher als auf dem Prüfstand", sagt UBA-Experte Liesegang. So erfolgt die Prüfung unter normierten Bedingungen, etwa was die Holzfeuchte, die Scheitgröße und -menge oder den Nachlegezeitpunkt betrifft. Im Alltag verwenden die Nutzer aber auch feuchteres Holz. Oder sie legen die Scheite nicht dann nach, wenn es für die Verbrennung am günstigsten ist, sondern wenn sie gerade Zeit dafür haben. All das führt zu höheren Emissionen. Zudem wird bei der Prüfung die sogenannte Anbrandphase, bei der kurzzeitig besonders viele Schadstoffe entstehen, nicht berücksichtigt, ebenso wenig Abbrände mit besonders hohen Emissionswerten.

Der von der Europäischen Union finanzierte internationale Forschungsverbund "Be Real" hat daher ein alternatives Prüfverfahren entwickelt, das deutlich praxisnäher sein soll als die derzeit verwendete Methode. Dabei werden sämtliche Betriebsphasen einbezogen, vom Anheizen bis zum Auskühlen des Brennstoffes. Manche der getesteten Kaminöfen stießen dabei doppelt oder gar dreimal so viel Feinstaub und Kohlenmonoxid aus wie mit der offiziellen Methode ermittelt.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die meisten Ofenmodelle mit unserem Verfahren die derzeit gültigen Grenzwerte verfehlen würden", erklärt Hans Hartmann vom an Be Real beteiligten Bayerischen Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing. Ziel der Forscher ist es nun, ein auf ihrem Prüfverfahren basierendes Gütesiegel zu schaffen. "Damit kann man Anlagen auszeichnen, die im alltagsnahen Test positiv auffallen", sagt Hartmann.

Doch selbst die beste Anlage wird zur Dreckschleuder, wenn sie falsch betrieben wird. Auch das zeigt das Be-Real-Forschungsprojekt: Werden die Haushalte hierzulande über den richtigen Umgang mit ihrem Kaminofen informiert, sinken die Emissionen drastisch. Schon eine gute Gebrauchsanleitung und eine sorgfältige Einführung durch den Installateur in den Betrieb der Anlage kann also die Umweltbelastung durch das Holzfeuer erheblich verringern.