Geldanlage Warum Finanzprodukte von Fußballklubs oft riskant sind

So marode wie diese Sitze im Volksparkstadion des Hamburger SV sind auch dessen Finanzen: Seit Jahren schreibt der Verein rote Zahlen, schiebt Schulden vor sich her. Jetzt pumpt er seine Fans an.

(Foto: Axel Heimken/picture alliance)

Der Hamburger SV pumpt seine Fans an: Mit einer neuen Anleihe will er 17,5 Millionen Euro einwerben. Aber was dürfen Anleger bei solchen Investitionen erwarten?

Von Victor Gojdka

Fragt man Fondsmanager nach ihren Hobbys, dann kommen die meisten ins Grübeln. Hobbys? So etwas kennt ein Fondsmanager nicht, der arbeitet nur. Doch in Zeiten, in denen alle über Work-Life-Balance sinnieren, sagen immer mehr Fondslenker: Fußball. Das ist ein Hobby, das ihnen nicht peinlich sein muss. Denn die Parallelen zur Börse drängen sich auf, es geht um Wettbewerb, Erfolg, ums Gewinnen - das Ergebnis zählt. Fußball und die Finanzbranche, beide sind eben ein Milliardengeschäft. Allerdings können sich zunehmend auch Privatanleger eine Scheibe vom Geschäft abschneiden: mit Fußballanleihen, Aktien und Bankprodukten. Rollt dabei am Ende nicht nur der Ball - sondern auch der Rubel?

Die neue HSV-Anleihe

Der Hamburger SV pumpt seine Fans an: Mit einer neuen Anleihe will er 17,5 Millionen Euro einwerben. Dafür lockt er mit einem hohen Zins. Sechs Prozent versprechen die Fußballmanager den Anlegern, sobald die Finanzaufsicht das Projekt billigt. Was auf den ersten Blick verlockend wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als vergiftetes Angebot. "HSV vor dem Kohle-Kollaps", titelte kürzlich eine Hamburger Boulevardzeitung und das ist nicht übertrieben. Die letzten acht Jahre hat der Fußballclub rote Zahlen geschrieben, immer noch schiebt der Klub einen Schuldenberg von 85,5 Millionen Euro vor sich her. "Wir sind ein ganz massiver Krisenklub", gab im Herbst Vorstandschef Bernd Hoffmann zu Protokoll. "Sechs Prozent Zinskupon sind für dieses Risiko einfach zu wenig", sagt Anlagexperte Sönke Niefünd von der Hamburger Otto M. Schröder-Bank. 2012 hatte der Verein schon einmal eine Fananleihe begeben, das Geld sollte eigentlich in das Nachwuchszentrum HSV-Campus fließen. Ein leeres Versprechen, am Ende musste Mäzen Alexander Otto für den Bau blechen. "Das hat nicht zur Stärkung des Vertrauens bei den Privatanlegern geführt", sagt Vermögensverwalter Niefünd trocken. Inzwischen gibt der Club offen zu: Die neue Anleihe gibt er nur aus, weil er die alte ablösen muss, also ein Finanzloch stopfen will. Die finanziellen Aussichten des Clubs sind dabei wenig vielversprechend. Nach dem Abstieg in die zweite Liga verdient der Fußballverein weniger. Denn dann sinkt der Marktwert der eigenen Spieler, sinken die Einnahmen aus TV-Ausstrahlungen und Werbung. Selbst wenn dem HSV der Sprung aus dem Fußball-Unterhaus in die erste Liga gelingen sollte, werden die Folgen des Abstiegs noch Jahre zu spüren sein - denn manche Verträge sind von Dauer. "Besser als eine Sportwette ist die Anleihe schon", sagt Niefünd. "Meinen Eltern würde ich sie aber nicht empfehlen, das Risiko darf der Anleger nicht ausblenden."

Die BVB-Aktie

Egal ob Ölscheich, Oligarch oder Großunternehmer: Der Fußball ist zum Spielplatz der Milliardäre geworden. Doch auch Privatanleger können in dem Milliardengeschäft mitmischen. Borussia Dortmund notiert nämlich nicht nur auf der Bundesligatabelle, sondern auch auf der Kurstafel am Parkett - als Aktie. Gerade im vergangenen Jahr hat sie sich gut entwickelt, von einem Kurs um die sechs Euro stieg der Titel in der Spitze bis über die Zehn-Euro-Marke. "Das kommt klar von den sportlichen Erfolgen", sagt Analyst Alexander Langhorst von GSC Research. Ein besonders glückliches Händchen haben die Borussen bei ihren Transfers bewiesen, immer wieder haben sie ihren Einsatz vervielfacht. Talente selbst aufgestöbert, groß gemacht und teuer verkauft. Dass das Geschäft mit dem fliegenden Wechsel so gut läuft, ist vor allem Verdienst von Sportdirektor Michael Zorc. "Der schüttelt immer noch ein Ass aus dem Ärmel", sagt Langhorst. Eine sichere Bank ist die BVB-Aktie jedoch nicht: Gerade bei den Werbe- und TV-Erlösen ist der Verein jedes Jahr davon abhängig, dass er in die Champions League kommt - und dort nicht zu schnell rausfliegt. "Das ist kein Witwen- und Waisenpapier", sagt Aktienexperte Langhorst.

Das Bayern-München-Konto

Meisterlich erscheint das Angebot nicht, das die Hypo-Vereinsbank Fans des FC Bayern München unterbreitet. Mit dem FCB Pluskonto können sie eine Girocard mit Motiv bekommen. Wer beim Institut zum Beispiel das FCB-Konto bucht, kann sich eine passende Motivkarte ausstellen lassen, mit Vereinslogo oder rot-blau leuchtender Allianzarena. Anleger kostet das allerdings fünf Euro, nur die normale Hypo-Girocard wäre kostenlos. Zudem müssen Anleger für das "rot-weiße" Filialkonto 7,90 Euro monatlich für die Kontoführung zahlen. Bei anderen Banken sind Girokonten derzeit kostenlos zu bekommen, so zeigen es Daten des Vergleichsportals biallo.de. Ein schwacher Trost: Wer die Onlinevariante des Kontos wählt, zahlt lediglich 2,90 Euro im Monat.

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