Griechenland-Hilfe:Weg aus der Katastrophe

Das Griechenland-Drama zeigt: Die politischen und wirtschaftlichen Eliten in allen EU-Mitgliedsländern müssen lernen, europäisch zu denken, zu handeln und sich auch so zu organisieren.

Hans Eichel

Sollen wir Deutschen nun Griechenland helfen oder nicht? Das wurde in den vergangenen Tagen sehr intensiv diskutiert, selbstverständlich mit Blick auf die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Und die Kanzlerin und der Außenminister, im Nebenberuf Vorsitzende von CDU und FDP, haben diese Debatte leider laufen lassen und sind lange nicht dem Eindruck entgegengetreten, Deutschland könne hier tatsächlich zwischen zwei Antworten abwägen.

Griechenland, Euro, Foto: dpa

Hilfe zur Selbsthilfe: Griechenland braucht Unterstützung, doch aus der Krise sind Konsequenzen zu ziehen. Unter anderem muss das Land seine Ausgaben prüfen.

(Foto: Foto: dpa)

Dabei war die Wahrheit doch schon immer: Wir helfen hier in jedem Fall. Wir helfen bei allen drohenden Staatspleiten weltweit, bei denen der Internationale Währungsfonds (IWF) zur Hilfe gerufen wird - seit Jahrzehnten. Und nicht wir Deutschen allein, sondern die Bürger aller Länder, die dem IWF angehören: die meisten Staaten der Erde, darunter alle auch nur halbwegs bedeutenden Industrie- und Schwellenländer.

Weiter heißt es dieser Tage, Europa sei doch keine Transferunion, und die Stärkeren dürften den Schwächeren nicht helfen. Den Professoren, die jetzt gegen die deutsche Griechenland-Hilfe klagen wollen (und auch manchen Politikern), fehlen offenbar elementare Kenntnisse über die EU.

Sie ist angelegt auf den Ausgleich der Wohlfahrtsunterschiede zwischen den Staaten. Dem dienen die Brüsseler Strukturfonds. Alle Regionen, die unter 75 Prozent des durchschnittlichen Wohlstandsniveaus der EU liegen, werden aus diesen Fonds gefördert, seit der Wiedervereinigung auch die ostdeutschen Bundesländer.

Beitrittsländer haben aufgeholt

Sozialer Ausgleich ist die Grundlage für Frieden in Europa, das war der Grundgedanke der Gründungsväter Europas; ganz überwiegend übrigens Konservative. Die Großen - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien - zahlen mehr in den EU-Haushalt ein, als sie herausbekommen. Bei den Schwächeren - (fast) allen mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern - ist es umgekehrt.

Eigene Anstrengungen und Hilfen der Stärkeren haben überall dazu geführt, dass die Beitrittsländer stark aufgeholt haben. Die Wanderungsbewegungen, die es vorher in Europa gab, haben weitgehend aufgehört. Wahr ist: Die Hilfen für die Schwächeren werden im Wesentlichen als Projektzuschüsse gewährt, nicht als allgemeine Haushaltshilfen. Das sollte auch nicht geändert werden.

Deutschland ist der zweitgrößte Exporteur der Welt, und das wird es wohl noch lange bleiben. Das ist die Grundlage unseres Wohlstands. Am meisten verdienen wir im Handel mit wohlhabenden und aufstrebenden Ländern, mit unseren EU-Nachbarn, den USA, China, Russland, Indien, Brasilien. Afrikanischen Ländern müssen wir (wie die anderen Industriestaaten auch) eher mal ihre Schulden erlassen, damit sie wieder zahlungsfähig werden.

Steuerhinterziehung ist in Griechenland weit verbreitet

Deutschland hat an der Entwicklung der ärmeren Länder und der Zahlungsfähigkeit seiner Handelspartner ein existentielles Interesse. Aber unsere Hilfe ist begrenzt und an Bedingungen geknüpft. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, und aus der Griechenlandkrise sind Konsequenzen zu ziehen, die weit über diesen Fall hinausreichen.

Erstens: Das betroffene Land muss seine eigenen Steuerquellen gemäß internationalem Standard ausschöpfen. Griechenland zum Beispiel leistet sich eine Steuer - und Abgabenquote, die zehn Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Wenn die Griechen unsere Hilfe wollen, müssen sie ihren Staat mindestens so ausstatten, wie das der Durchschnitt der Europäer tut.

Steuerhinterziehung ist in Griechenland wohl besonders weit verbreitet, sie muss bekämpft werden. Hier brauchen die Griechen auch die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft - indem zum Beispiel all die Steueroasen geschlossen werden, in denen auch griechische Steuerbetrüger ihr Geld verstecken.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB